Das Verhältnis zur Nationalflagge ist in Deutschland gespalten. Manche Demonstrierende wollen mit der Deutschlandfahne ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen. Anderen ist das Fahnenschwingen eher unangenehm.

Wir kennen die Bilder vom "Fourth of July", dem US-amerikanischen Unabhängigkeitstag, sowohl aus den Nachrichten als auch aus etlichen Kinofilmen. Feierstimmung, Feuerwerk und Paraden – von den Häusern bis hinzu Buttercremetorten – alles ist mit Stars and Stripes geschmückt, der Nationalflagge der USA.

Oder auch in Großbritannien, wenn ein royales Fest ansteht, säumen Tausende die Straßen und schwingen kleine Fähnchen, in den Farben des Union Jacks.

Deutschlandfahnen kommen im Alltag fast nie vor

In Deutschland gibt es so etwas nicht, außer wir sind die Gastgeber einer Fußball-Weltmeisterschaft. Nur dann schmücken viele ihre Autos und Balkone mit einer deutschen Fahne, ohne dass sie sich Gedanken darüber machen müssen, dass ihnen ein gewisser Nationalstolz unterstellt werden könnte.

"In Deutschland wird die Flagge eher für Staatsakte gezeigt, für offizielle Anlässe - im Alltag der Bevölkerung hingegen kaum."
Ann-Kathrin Jeske, Deutschlandfunk Nova

Vereinzelt flattern gehisste deutsche Fahnen in Schrebergärten. Bei Pegida-Aufläufen, Demos von Rechtsextremisten und Neonazis sind sie hingegen sehr präsent. Manche assoziieren das Fahnenschwingen in Schwarz-Rot-Gold deswegen auch mit rechtsextremem Gedankengut.

Mit der Deutschlandfahne gegen Rechtsextremismus demonstrieren

Genau das sollte sich ändern, finden einige Demonstrierende, die derzeit auf die Straße gehen – und zwar gegen Rechtsradikale und Rechtsextremismus. Sie sind der Meinung, dass die deutsche Nationalflagge viel zu lang von Rechtsextremen vereinnahmt wurde und fordern, dass sie wieder in die Mitte der Gesellschaft geholt wird. Und das, indem sie sie auf Demos hochhalten, um für eine vielfältige und freiheitliche Demokratie einzustehen.

"Wir müssen uns dieses Symbol wieder zurückholen und dürfen es den Nationalisten, Demokratiefeinden, Rassisten nicht überlassen, wie es die ganzen Jahre passiert ist."
Ein Berliner Demonstrant über die deutsche Flagge

Andere fänden das wiederum befremdlich. Es wäre ihnen unangenehm eine deutsche Fahne in den Händen zu halten, wenn sie gegen Rechtsextremismus demonstrieren, sagen sie unserer Reporterin Ann-Kathrin Jeske.

Eine Berliner Demonstrantin äußert unserer Reporterin gegenüber allerdings auch, dass sie finde, dass der Nationalismus, den eine Fahne symbolisiere, etwas Ausschließendes habe. Daher sei es für sie ausgeschlossen eine Flagge zu einer Protestveranstaltung mitzunehmen.

"Was diese Fahne bedeutet, ist eben nicht eindeutig. Das sehen unterschiedliche Teile in der Bevölkerung sehr unterschiedlich."
Simon Teune, politischer Soziologe mit dem Schwerpunkt Protest- und Bewegungsforschung.
Deutschlandfahne
vom 05. Februar 2024
Flaggen auf Demos gegen Rechtsextremismus