Seit 340 Jahren ist Diabetes bekannt. Typ II ist seitdem behandelbar. Für Typ I allerdings ist Insulin benötigt. Und das können wir erst seit 1922 herstellen. Bis dahin wussten die Erkrankten: Ich habe höchstens noch zwei, drei Jahre.

Diabetes mellitus, so heißt die Krankheit komplett, ist griechisch. Es steht für "Honigsüßer Durchfluss", und damit ist tatsächlich Urin gemeint, der süß, nach Honig schmeckt. Der Urin scheidet bei Diabetes nämlich viel Zucker aus. Erstmals bekannt ist dieser Geschmackstest aus dem Jahr 1675 von einem Arzt in England, sagt der Medizinhistoriker Philipp Osten des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität Heidelberg.

Jahrhundertelang passierte nicht viel. Diabetiker mit Typ II konnten wie heute schon behandelt werden. Sie mussten sich speziell ernähren.

Für Diabetiker des Typs I gab es wenig Hoffnung. Sie brauchten Insulin, was es nicht gab. Eine lebensverlängernde Maßnahme: Nur Fett und Proteine zu sich nehmen. Damit konnten sie aber nicht genügend Kalorien aufnehmen. Diabetiker des Typs I waren selbst mit dem speziellen Ernährungsplan abgemagert. Ihre Lebenserwartung betrug höchstens ein paar Jahre.

Kanadischer Arzt ist die Rettung

Erst im Jahr 1921 entwickelte der kanadische Arzt Frederick Banting eine Methode, Insulin aus Tierorganen zu extrahieren - eine Entdeckung, an der sich Wissenschaftler viele Jahre lang versucht hatten.

Ein Jahr später wurde erstmals ein fünfjähriger Diabetes-Patient mit dem aufgearbeiteten Insulin behandelt. Er war vorher typischerweise abgemagert. Ihm ging es schnell besser.

Theodore Ryder, der ab Juli 1922 ebenfalls behandelt wurde und damit zu den ersten Patienten zählte, starb 1993 im Alter von 76 Jahren. Er ist mit 70 Jahren Diabetes-Dauer der wahrscheinlich längste dokumentierte Fall von andauernder Insulinbehandlung in der Medizingeschichte.

Bis heute dienen Schlachtabfälle zur Insulinherstellung.