Kennt ihr das? Dass ihr total leer seid und quasi gar nichts fühlt? Wahrscheinlich in einer Zeit, wo es euch nicht besonders gut ging oder ihr viel Stress hattet. Ist das möglich? Warum kommt es dazu ? Und wie kommen wir da wieder raus?

Es gibt tatsächlich Situationen, in denen wir Emotionen nicht wirklich wahrnehmen können, sagt Psychiater und Psychotherapeut Bastian Willenborg. "Dissoziation", "Numbing", "Anhedonie" oder "Alexithymie" sind Begriffe für eine solche Gefühlsblindheit oder emotionale Taubheit.

"Es gibt viele Menschen, die sagen: Ich bin wie stumpf, total abgeschnitten von meinen Gefühlen. Man nennt es auch 'Gefühl der Gefühllosigkeit'."
Bastian Willenborg, Psychiater und Psychotherapeut

Gefühle zu empfinden und dann auch zu kommunizieren, müssen wir lernen, sagt der Psychiater. Alexithymie beschreibt zum Beispiel den Umstand, dass man keine Worte für die eigenen Gefühle hat. Und wenn ich Schwierigkeiten habe, Gefühle zu identifizieren und sie zu benennen – und wenn ich vielleicht auch andere Personen um mich herum nicht gut lesen kann in ihren Gefühlen – dann neige ich auch eher dazu, körperliche Beschwerden zu haben, erklärt Bastian Willenborg.

Wenn Menschen etwas besonders Schlimmes, etwas Traumatisches erlebt haben, dann kann das auch zu einer Art Schutzreaktion des Körpers führen. Er sagt dann quasi: Das ist gerade gar nicht gut, jetzt stelle ich die Gefühle aus. In diesem Fall spricht man von Dissoziation.

Wie man Gefühllosigkeit therapiert

Psychiater wie Bastian Willenborg versuchen zunächst herauszufinden, ob das Problem akut aufgetreten ist oder eines ist, das es schon immer gibt. Haben die Personen, die sagen "Ich fühle nichts", irgendwann in der Vergangenheit gelernt, Emotionen zu zeigen und ausdrücken?

Ist die Gefühllosigkeit also etwas Neues, das durch etwas Bestimmtes – vielleicht eben durch eine traumatische Erfahrung – ausgelöst wurde?

"Wenn wirklich etwas ganz Schweres passiert, ein Trauma da ist, dann nimmt sozusagen der Körper als Überlebensreaktion die Emotionen weg."
Bastian Willenborg, Psychiater und Psychotherapeut

Auch eine Dauerüberforderung oder Dauerstress können aber zur Abstumpfung führen.

Wenn die Diagnose steht, versucht der Therapeut dann zusammen mit dem Patienten oder der Patientin, sich dem Problem zu nähern und das unangenehme Gefühl möglichst treffsicher zu beseitigen. Zocken, Serien gucken, lecker Essen, Sport machen… es gibt viele Möglichkeiten, sich von Emotionen auch abzulenken, so Bastian Willenborg.

Shownotes
Die große Leere
Nichts fühlen – geht das überhaupt?
vom 08. Februar 2026
Moderation: 
Nik Potthoff
Gesprächspartner: 
Bastian Willenborg, Psychiater und Psychotherapeut