Falls ihr in einem Büro arbeitet, kennt ihr den Ärger mit Klimaanlagen. Mal zu kalt, mal zu warm, dann ist die Luft zu trocken. Ein Start-up will das lösen und Klimaanlagen per Künstlicher Intelligenz steuern. Dafür sammelt es reichlich Risikokapital ein. Unsere Reporterin Martina Schulte erklärt die Idee vor.

Das Start-up 75F hat eine Software-Hardware-Lösung für Büroräume entwickelt. Sie beruht auf Künstlicher Intelligenz, lernt also dazu. Damit will 75F vor allem Energiekosten sowie Emissionen senken. 30 bis 50 Prozent sollen eingespart werden, das zumindest behauptet 75F. Es wäre eine enorme Reduktion und gut für das Klima.

Zurzeit entfallen sechs Prozent der globalen Treibhausgase auf Gebäude. In den USA sollen es sogar zwölf Prozent sein, so Carmichael Roberts von der Firma "Breakthrough Energy Ventures" in einer Reportage über 75F auf dem US-Wirtschaftsmagazin Fast Company. "Breakthrough Energy Ventures" wiederum ist ein Investorenfonds, der von Bill Gates geführt wird und in klimafreundliche Lösungen im Energiesektor investiert.

Die Künstliche Intelligenz ist das Entscheidende

Bill Gates gehört zu jenen, die Geld in 75F stecken. Das Start-up sammelte bislang 18 Millionen US-Dollar Risikokapital bei Investoren ein. Jetzt muss es zeigen, was es kann.

75F teilt die Gebäude in mehrere Zonen ein, in die mehrere Sensoren verteilt sind. Sobald sich die Temperatur in einer der Zonen aufheizt oder abkühlt, greift das System selbständig ein und gleicht aus. Entscheidend ist, dass die Künstliche Intelligenz die Sensordaten sammelt und dazu lernt, so unsere Reporterin Martina Schulte. So lernt die KI das Gebäude immer besser kennen. Außerdem bezieht es die Außentemperaturen und Wettervorhersagen ein. Die Luftqualität wird ständig gemessen und – wenn nötig – frische Luft zugeführt.

"Das Entscheidende ist, dass das System über eine Künstliche Intelligenz verfügt, die dazu lernt. Sie kennt das Gebäude immer besser."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Das System klingt simpel. Man könnte denken, dass viele moderne Gebäude längst Künstliche Intelligenz einsetzen, um Temperaturen zu regulieren und Energie zu sparen. "Aber das ist nicht so", sagt Martina Schulte. Den meisten großen Gebäuden, wie Bürotürme, Krankenhäuser oder Schulen, fehlt es an modernen Systemen, die sich automatisch regulieren und dazu lernen. Das könnte sich eben ändern.

"Die Künstliche Intelligenz ist der Game Changer."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Falls die Ankündigungen von 75F korrekt sind, könnten in den USA Emissionen in Höhe von 827 Millionen Barrel Öl eingespart werden, wenn alle großen Gebäude in den USA mit einer solchen Technologie arbeiten würden. Das zumindest behauptet 75F. Die Einsparung entspräche der Energie von 90 Kohlekraftwerken, so 75F. Diese Zahlen und Versprechen sind aber nur Prognosen des Start-ups.

Es lohnt sich im Gebäudebereich nach Lösungen zu suchen, sagt Martina Schulte. Außerdem könnte stärker gleich beim Bau auf Energiesparen und Klimaschutz geachtet werden.