Seminare und Vorlesungen finden wegen der Corona-Pandemie online statt. Wie klappt es mit der digitalen Lehre mittlerweile? Eine Zwischenbilanz.

Viele Studierende sehen ihre Kommilitoninnen und Dozierenden seit Wochen nur auf dem Bildschirm ihres Computers. Seitdem hangeln sie sich von einer Videokonferenz zur nächsten. Meinungen zum digitalen Sommersemester 2020 sind unterschiedlich – abhängig davon, ob Studierende über ihren Unialltag berichten oder die Hochschulen.

Von Hochschulen ist das Feedback zur digitalen Lehre im Schnitt positiv - die Uni Kiel lobt zum Beispiel die technische Umstellung ihrer Lehre. Bei Studis sieht das Stimmungsbild eher durchwachsen aus, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Armin Himmelrath.

"Wenn man immer nur in Videokonferenz vor dem Bildschirm sitzt, verliert man die Aufmerksamkeit."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Im Wesentlichen gibt es drei Hauptpunkte, an denen es häufig hakt: Technik, Organisation und Prüfungen. Überlastete Systeme oder eng getaktete Videokonferenzen kosten unnötig Zeit und Energie, sagt er. Ähnlich sieht es beim Thema Prüfungen aus. Das Prüfen ihrer Studierenden lösen die Hochschulen verschieden.

In Messehallen prüfen

Die Uni Köln und die TU Dortmund beispielsweise halten Klausuren und Co. in den Messehallen ihrer jeweiligen Städte ab. Für Studierende bedeutet das: Mund-Nase-Schutz tragen, 1,5 Meter Sitzabstand einhalten und Wartezeiten beim Gang auf die Toilette. Die Studis anderer Hochschulen wissen oft hingegen nicht, wann sie ihre Prüfung ablegen können.

Klare Perspektive für Studierende fehlt

Eine klare Perspektive für Studierende und eindeutige Entscheidungen, das fehlt bisher unterm Strich an den deutschen Hochschulen, so Armin Himmelrath. Viele der Unis und FHs machen die Wiederaufnahme der Präsenzlehre von der Entwicklung der Infektionszahlen abhängig.

Einen Regelbetrieb wie vor der Corona-Pandemie sieht Armin Hilmmelrath für die nächste Zeit eher nicht. Er tippt auf eine Art Mischform aus kleineren Seminaren in Präsenzform und großen Veranstaltungen, wie Vorlesungen, die weiterhin online stattfinden.

Corona verändert die Lehre auch nach der Pandemie

Und welche Erkenntnisse ziehen Hochschulen aus den Online-Veranstaltungen? Gero Stoffels zum Beispiel sieht die digitale Lehre als Chance. Er ist Mitarbeiter in der Abteilung für Didaktik der Mathematik an der Universität Siegen und hat durch die aktuelle Lage eine andere Perspektive auf die Kurse, die er gibt.

Über den Playbutton hört ihr das gesamte Gespräch mit Gero Stoffels.
"Ist es noch zeitgemäß, in jedem Fall noch eineinhalbstündige Vorlesungen abzuhalten?"

Der Dozent beschäftigt sich gerade mit der Frage, wie zeitgemäß die Lehre in Form von Vorlesungen noch ist. Für ihn ist klar: Auch nach der Corona-Pandemie möchte er die aufgezeichneten Veranstaltungen in seinen Kursen verwenden, um den Studierenden vorab kompakte Inhalte an die Hand zu geben. Und er ist sicher nicht der einzige – dDie Lehre nach der Pandemie wird wohl nicht die gleiche sein wie vorher.