Nie wieder im Stau stehen auf dem Weg zur Arbeit, stattdessen einfach mit dem Laptop in Laos, Peru oder in China in einem Café sitzen und von dort aus arbeiten. Digitale Nomaden arbeiten immer da, wo sie gerade sind. Flexibler geht es nicht – ganz unkompliziert ist dieser Lebensstil allerdings auch nicht. 

Als digitaler Nomade überall dort arbeiten, wo ihr gerade den Laptop aufklappt. Am Strand von Bali, im Café der neuesten Hipstermetrople, im tibetischen Schweigekloster – und morgen schon wieder ganz woanders. Für viele hört sich das traumhaft an, aber natürlich gibt es beim ultraflexiblen Arbeiten auch Schwierigkeiten - gerade wenn ihr durch das viele Hin- und Herreisen nirgendwo offiziell gemeldet seid. Aber das kann einen überzeugten digitalen Nomaden natürlich nicht abschrecken, wie unser Reporter Johannes Döbbelt herausgefunden hat.  

"Mein Name ist Sebastian. Ich sitze gerade im schönen Thailand, circa drei Stunden südlich von Bangkok, gucke gerade aufs Meer, vor mir steht mein Laptop."
Sebastian, Digitaler Nomade

So wie Sebastian Kühn oder Marinela Potor. Die beiden arbeiten rund um den Globus, immer da, wo sie eben gerade sind. Marinela als freie Journalistin, Sebastian als Buchautor und Betreiber einer Online-Community für andere digitale Nomaden. So schön und frei das Arbeitsleben für sie auch ist – es bringt auch ein paar Probleme mit sich, ohne festen Wohnsitz zu sein. Sebastian ist seit mehr als einem Jahr nirgendwo auf der Welt offiziell gemeldet – und hat deshalb große Probleme, irgendwo ein Bankkonto zu eröffnen.

"Wenn ich zum Beispiel ein Bankkonto bei einer deutschen Bank eröffnen möchte, dann muss ich in den meisten Fällen nachweisen können, dass ich gemeldet bin in Deutschland oder woanders im Ausland."
Sebastian, Digitaler Nomade

Ähnliches gilt für die Krankenversicherung oder wenn er in Deutschland ein Unternehmen gründen will. Eine einfache Postadresse, zum Beispiel mit dem Namen auf dem Briefkasten der Eltern, reicht dafür nicht aus. Die Kurzzusammenfassung: Immer, wenn es offiziell wird, wenn es um Geld geht, müsst ihr nachweisen, dass ihr irgendwo gemeldet seid, erklärt Sebastian Kühn. 

Sebastian ist über eine englische Versicherung weltweit krankenversichert und hat Konten bei verschiedenen Direktbanken, für die eine Postadresse reicht. Sein Leben ohne Meldeadresse hat für Sebastian aber auch Vorteile: Vor allem, weil er so in Deutschland keine Steuern zahlen muss. 

Marinela Potor hat als digitale Nomadin einen anderen Weg gewählt: Sie unterhält eine kleine Wohnung im Haus ihrer Eltern in Dortmund. Dort ist sie gemeldet, und für wenige Monate im Jahr auch tatsächlich vor Ort, sagt sie. Und das macht aus dem kleinen Raum unter dem elterlichen Dach eine rechtliche Grauzone. Marinela geht davon aus, dass alles ok ist, solange das Zimmer nicht zwischenvermietet wird.

Reiseversicherung statt gesetzliche Krankenversicherung

Mit ihrer Adresse bei den Eltern hat Marinela fast die gleichen Rechte und Pflichten, als wenn sie das ganze Jahr über in Dortmund wohnen würde. Nur in die gesetzliche Krankenversicherung kommt sie nicht rein, weil sie so viel unterwegs ist, dass sie dafür eine private Reiseversicherung braucht. Über die ist sie weltweit das ganze Jahr über abgesichert. Wichtige Post lesen ihre Eltern und schicken ihr ein Foto oder eine PDF-Datei. 

Sebastian Kühn nutzt einen Postdienstleister, der seine Briefe für ihn empfängt und einscannt, weil er nirgendwo gemeldet ist. Unterwegs kann er dann über einen virtuellen Posteingang PDF von Briefen anschauen und entscheiden, ob sie archiviert, aufbewahrt, vernichtet oder nachgesendet werden sollen. 

Das Problem: Der Postservice ersetzt nicht die offizielle Meldeadresse. Sebastian sieht sich deshalb nach einer Alternative um. Im Netz gibt es einige Anbieter, die Meldeadressen vermieten. Ab 70 Euro im Monat soll zum Beispiel eine Adresse in England zu bekommen sein. Eine Lösung, die für Sebastian allerdings nicht infrage kommt, weil er sie für illegal hält. 

"Die Dienstleister mieten kleine Bauarbeiterwohnungen an, die sie dann für 200 Euro quasi untervermieten, aber solange ich da selbst nicht wohne, dürfte ich dort eigentlich auch nicht gemeldet sein."
Sebastian, Digitaler Nomade

Sebastian denkt gerade darüber nach, eine Wohnung im Ausland zu mieten oder zu kaufen. Dort würde er dann zumindest einen Teil des Jahres wohnen und auch offiziell gemeldet sein. Sebastian könnte sich Thailand, Spanien oder Portugal vorstellen. Er setzt darauf, in diesen beliebten Touristenzielen seine Wohnung einen Teil des Jahres zu vermieten - und so am Ende des Jahres bei den Kosten auf Null herauszukommen. 

Marinela will erst mal bei ihren Eltern gemeldet bleiben und hat vor allem einen Wunsch: Deutsche Behörden, Banken oder Versicherungen sollen sich besser auf digitale Nomaden wie sie einstellen. 

"Ich würde mir dann tatsächlich wünschen, dass ich vielleicht in fünf Jahren das alles ein bisschen einfacher regeln kann und ich dann nicht mehr so in komischer Grauzone wohne oder lebe, wo keiner so genau weiß: Was ist denn jetzt eigentlich mit der?"
Marinela, digitale Nomadin