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Endlich wieder durch Europa reisen, dass erhoffen sich viele vom digitalen Impfpass. Ab Juni soll das "Grüne Zertifikat" für die EU kommen, mit dem wir dann unsere Impfung belegen können. In der Umsetzung gibt es allerdings noch einige Baustellen. EU-Kommission, Ministerrat und Europaparlament beraten heute (18.05.2021) darüber in Brüssel.

"Es geht um technische Fragen, um Machtfragen und um den Zeitplan."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova

Noch unklar ist zum Beispiel, ob EU-Mitgliedsstaaten trotz grünen Zertifikats Quarantäne-Vorschriften verhängen können, erklärt Deutschland-Funk-Nova-Netzreporter Andreas Noll. Die Staaten wollen dieses Recht verteidigen. Die EU-Abgeordneten hingegen wollen, dass Geimpfte frei reisen können – ohne zusätzliche Tests oder Quarantäne-Pflichten.

Grenzübergreifender Datenaustausch

Die Technik für den europaweiten Datenaustausch zumindest ist fast fertig. Die Testphase des digitalen Impfpasses läuft bereits, der reguläre Betrieb könnte dann Mitte Juni aufgenommen werden. Im Auftrag der EU-Kommission haben die Telekom und das Softwareunternehmen SAP haben ein Gateway für den grenzübergreifenden Datenaustausch aufgebaut. Ein deutsches Impfzertifikat kann so in Frankreich genau so wie ein italienisches in Belgien eingelesen werden - so der Plan.

Die beiden deutschen Unternehmen haben diese EU-Lösung schon für die Corona-Warn-App programmiert. Seit ein paar Monaten funktioniert sie grenzübergreifend in zahlreichen Mitgliedsstaaten. Für den reibungslosen Datenaustausch müssen die dafür vorgesehenen Zertifikate fertig sein. Deutschland und weitere EU-Staaten hängen in diesem Punkt noch im Zeitplan hinterher.

Das Problem mit dem QR-Code

In Deutschland gibt es noch weitere technische Hürde zu überwinden, damit Geimpfte das Zertifikat erhalten können: Die Arztpraxen wissen nicht, wie sie den QR-Code erstellen sollen, der benötigt wird, um die CovPass-App zu aktivieren. Ulrich Weigeldt, der Chef des Hausärzteverbands, verweist darauf, dass es bislang noch keine Schnittstelle für die Software in den Praxen gibt.

Updates werden in der Regel zu festen Terminen eingespielt. Dadurch kann es noch bis in den Juli hinein dauern, bis diese Funktion dann zur Verfügung steht. Eine Übergangslösung via Webbrowser ist offenbar angedacht. Unklar ist nur, ob die bis Ende Juni funktioniert.

Gleichzeitig sind in Deutschland bereits mehr als 30 Millionen Personen geimpft, haben aber keinen QR-Code für den digitalen Impfpass bei der Impfung erhalten. Die sollen den Code per Post zugeschickt bekommen. Ob der bei allen Geimpften dann bis Ende Juni im Briefkasten liegt, ist ebenfalls fraglich.

Die CovPassApp kommt

Für diejenigen, die die Corona-Warn-App nicht nutzen, wird es eine eigenständige App geben: die CovPassApp. Die zeigt dann den QR-Code an, der im Restaurant, am Flughafen oder im Hotel eingelesen werden kann. Zum Abgleich der persönlichen Daten sollte der Personalausweis vorgelegt werden. Der Kontrolleur sieht neben Name und Geburtsdatum auch den Status als Ampel: Grün steht für getestet, genesen oder geimpft, wobei der Kontrolleur selbst keine Information darüber erhält, warum jemand grün ist. Sollte die Ampel Rot anzeigen, ist an der Einlasskontrolle Endstation.