Sie sehen aus, als hätten sie bereits einige Partys hinter sich, sind aber tatsächlich nagelneu: Sneaker im Used Look erobern gerade den Luxusmarkt.

Unter Schuhträgern gab es bislang zwei Fraktionen: Die einen, die brav ihre Schuhe putzen und jeden Fleck sofort entfernen. Und die anderen, für die Schuhe nur dann gut aussehen, wenn sie bereits ordentlich Patina angesetzt haben.

Jetzt gesellt sich eine dritte Fraktion dazu: Nämlich die, die für viel Kohle Schuhe kaufen, die aussehen, als hätten sie schon echt was mitgemacht. Die kaufen sie aber nicht im Kleinanzeigenportal, sondern bei Luxusherstellern.

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Das italienische Luxuslabel Gucci zum Beispiel hat in der Ressort-Kollektion, das ist die Kollektion für die entspanntere Mode, für nächstes Jahr beigefarbene Sneaker vorgestellt, die wirklich schon derbe getragen aussehen. Beim spanischen Label Balenciaga gibt es in diesem Jahr ein ähnliches Modell für Männer. Und beim italienischen Label Golden Goose gehören Flecken für Männer, Frauen und Kinder mit zum Markenzeichen. Kostenpunkt: 300 - 800 Euro für die Luxus-Flecken.

Die 90er haben angerufen...

Eine weitere Ausprägung des Trends: bekritzelte Sneaker. Die erinnern ein wenig an Federmäppchen und Rücksäcke aus den 90ern. Oder an die selbstbekritzelten Chucks aus der Pubertät. Gibt's in der Kinderversion als Yeezy von Kayne West. Das französische Label Vetements hat sich eine entsprechende Männerversion für schlappe 750 Euro ausgedacht und auch Nike und Adidas spielen mit beim Sneaker bekritzeln.

Der Trend ist tatsächlich ein Revival der 90er, gemixt mit ein bisschen Punk-Style. Generell ist das eine Art Gegentrend zu Sneakers, die nie getragen werden und nur im Schrank stehen, damit sie nicht an Wert verlieren, was aber nur passiert, wenn man die Flecken durch Tragen da selber reinmacht.

"Man will aussehen, als hätte man was Krasses oder überhaupt was erlebt - dabei war man einfach nur sehr dekadent."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova Reporterin

Was der Luxustrend nicht leisten kann: eine persönliche Note. Die bekommen die Schuhe nämlich nur, wenn man sie tatsächlich selber trägt, mit ihnen Partys und Festivals besucht oder selbst was drauf malt. Deshalb meint Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anke van de Weyer: "Wenn man sich für 700 Euro Schuhe kauft, die aussehen, als wären sie zwei Wochen alt, finde ich das persönlich ziemlich paradox."