Kletterrouten in Australien, aber auch in Deutschland und Österreich, haben zum Teil rassistische oder sexistische Namen. Bezeichnungen wie "N**-Kuss" sind da nicht einmal das Übelste.

In Australien ging es los, dort berichtete ein Nachrichtensender über diskriminierende Namen von Kletterrouten. Dort tragen einige Routen Namen wie:

  • "Rape and Carnage" (Vergewaltigung und Gemetzel)
  • "Rape and Pillage" (Vergewaltigung und Plünderung)
  • "Flogging a Dead Faggot" (Eine tote Schwuchtel auspeitschen)
  • "One Less Bitch" (Eine Schlampe weniger)

Es geht um beleidigende und diskriminierende Namen für Kletterrouten. Inzwischen gibt es in Australien eine Diskussion darüber, ob diese Namen bleiben dürfen oder geändert werden soll.

Auch Kletterrouten in Deutschland haben rassistische Namen

Auch im deutschsprachigen Raum gibt es Namen für Kletterrouten, die schlichtweg daneben sind. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ilka Knigge hat sich das Klettergebiet Frankenjura angesehen, ein bekanntes und beliebtes Klettergebiet östlich von Erlangen.

  • "Schlampenland"
  • "Kraft durch Freude" nach dem Freizeitwerk der Nazis
  • "Der N** mit den Knackarsch
  • "N**-Kuss"
  • "Indianer und Bambus-N**"

(Wir wollen das N**-Wort nicht reproduzieren, darum die Sternchen.)

Auch bei uns gibt es also sexistische und rassistische Namen für Kletterrouten. "Man muss aber dazu sagen, dass die allermeisten Routen völlig harmlose Namen haben", sagt Ilka. Letztgenanntes Beispiel soll geändert worden sein und nun "Ernie und Bert" heißen.

Diese Namen sind übrigens nicht ganz neu, aber auch noch nicht super alt, sagt Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein: "Modernere Sportkletterrouten sind nach den 70er-Jahren erstbegangen worden. Und ich tippe mal drauf, dass solche Routennamen nicht nach 2000 oder selten nach 2000 vergeben worden sind."

Namen können nicht einfach geändert werden

Es bleibt die Frage, warum die Namen nicht einfach alle geändert werden. "Das liegt an einem ungeschriebenen Gesetz in der Kletterszene", erklärt Ilka. "Der Erstbegeher oder die Erstbegeherin hat das Recht, der Route einen Namen zu geben."

Erstbegeherinnen und Erstbegeher sind die Personen, die an einer Felswand zum ersten mal einen möglichen Aufstieg gefunden und diese Route ausgewiesen haben. Und das ist mit viel Arbeit verbunden: Brüchige Stellen am Fels müssen entfernt werden, Haken werden in den Fels gebohrt. Wenn er oder sie das geschafft hat, bekommt die Route einen Namen.

"Das ist keine offizielle Entscheidung durch einen Verein, sondern die Erstbegeherin darf sich dort verewigen", erklärt Ilka Knigge. "In der Australischen Kletterszene wird nun diskutiert, weil man die Routen nicht einfach so umbenennen kann, das muss vom Erstbegeher selbst kommen."

"Soweit wir es mitbekommen ist die Debatte nicht riesig, aber es gibt engagierte Kletterinnen und Kletterer, die sich dafür einsetzen, dass Routen umbenannt werden."
Thomas Bucher, Deutscher Alpenverein

Auch in Deutschland kommt die Debatte gerade wieder auf und es wird immer wieder über einzelne Routennamen diskutiert. "Soweit wir es mitbekommen ist die Debatte nicht riesig, aber es gibt engagierte Kletterinnen und Kletterer, die sich dafür einsetzen, dass Routen umbenannt werden", sagt Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein.

Der Deutsche Alpenverein selbst kann keine Namen ändern, wünscht sich aber eine Debatte in der Szene, sagt Thomas Bucher. Im Netz wird zum Beispiel gefordert, die Erstbegeher und Erstbegeherinnen anzuschreiben, dass sie sich doch bitte neue Namen überlegen könnten.

"Ich glaube, dass es super ist, wenn da ein Umdenken passiert. Dass man sagt: Ok, heutzutage machen wir das einfach nicht mehr, weil’s einfach nicht zeitgemäß ist und weil’s einfach eine Frechheit ist und fertig."
Barbara Zangerl, Extremkletterin

Für die Extremkletterin Barbara Zangerl zum Beispiel sind die Namen ein Problem. An Bezeichnungen wie "Titty Twist" stört sie sich nicht so sehr, "aber natürlich ist das rassistische Thema ein bisschen eine andere Liga".

Sie wünscht sich ein Umdenken. Nicht nur weil sie sexistische und rassistische Namen als Frechheit empfindet. Die Namen werden ja veröffentlicht, wenn eine bekannte Kletterin eine Route schafft, erklärt Barbara Zangerl. Und das fände sie dann schon unangenehm, wenn da so ein Name gemeinsam mit ihrem stünde.