Namensänderungen werden nicht akzeptiert, die sexuelle Identität wird aus Vorsicht nicht erwähnt: Eine Studie hat untersucht, wie LGBTQI-Menschen am Arbeitsplatz diskriminiert werden.

Viele Homosexuelle in Deutschland müssen an ihrem Arbeitsplatz damit leben, benachteiligt, beschimpft, gemobbt oder einfach nur komisch angeschaut zu werden. Trans Menschen machen solche Erfahrungen noch häufiger. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und der Universität Bielefeld.

Demnach müssen rund 30 Prozent der homo- und bisexuellen Menschen mit Diskriminierung am Arbeitsplatz leben, bei den trans Menschen sind es mehr als 40 Prozent. Die Studie zeigt auch: Fast ein Drittel dieser Menschen geht vor den Kollegen und Kolleginnen nicht offen mit ihrer/seiner Sexualität beziehungsweise der geschlechtlichen Identität um.

″In manchen Fällen geht es darum, dass Namensänderungen von trans Menschen nicht akzeptiert werden. Oder dass sie Toiletten nicht entsprechend ihrer Geschlechteridentität nutzen dürfen.″
Jakob Vogel, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Bei der Diskriminierung geht es zum Beispiel um Namensänderungen von trans Menschen, die nicht akzeptiert würden, sagt der kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes Bernhard Franke.

Andere Beispiele sind: Toiletten dürfen nicht entsprechend der Geschlechteridentität genutzt werden. Kolleginnen und Kollegen werden direkt nach ihrem Sexleben gefragt. Gesten und Stimmen von trans Menschen werden lächerlich gemacht, etwa, wenn sie nach einer Geschlechtsumwandlung höher oder tiefer sprechen.

Sexuelle Identität bleibt unerwähnt

Bei jedem dritten LGBTQI-Menschen führten Diskriminierungserfahrungen dazu, dass die Identität eher versteckt wird. Sie können am Arbeitsplatz nicht offen mit ihrer Sexualität umgehen – was teilweise starke Einschränkungen für die Kommunikation bedeutet.

"Wenn ich von meiner Freundin oder meiner Frau spreche, dann oute ich mich indirekt offen als heterosexuell", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Jakob Vogel, "das ist gesellschaftlich völlig normal." Wenn aber ein Mann von seinem Mann oder eine Frau von ihrer Frau spricht, dann könne das unangenehme Reaktionen hervorrufen, sodass viele solche Aussagen komplett vermeiden.

"Es geht beim offenen Umgang mit der eigenen sexuellen Identität nicht darum, mit wem ich schlafe, sondern schlicht und ergreifend darum, mit wem ich zusammen lebe."
Jakob Vogel, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und der Universität Bielefeld hat auch die Qualifizierungen von heterosexuellen und von LGBTQI-Menschen untersucht. Unter letzteren ist der Anteil an denjenigen mit Fach- oder Hochschulabschluss mit 60 Prozent signifikant höher als in der Gesamtbevölkerung (42 Prozent).

Anteilig arbeiten sie häufiger in Jobs im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der Kunst- und Unterhaltungsbranche.