In der Pandemie haben viele Leute mit Do-it-yourself-Projekten angefangen. Weil es teilweise gar nicht anders ging, aber auch weil es Spaß macht und man dabei Erfahrungen sammelt. Nur: Ist DIY finanziell und ökologisch auch immer sinnvoll?

Backen, gärtnern, einkochen, heimwerken… "Das kann ich doch auch selber machen", haben sich in den letzten Monaten viele Leute gedacht.

Ein gutes Gefühl

Danach hatten sie (die meisten) oft das gute Gefühl, etwas selbst gemacht zu haben, das sie am Ende in den Händen halten können und wo sie genau wissen, was drinsteckt. Aber lohnt sich das auch finanziell? Und ist DIY auch wirklich immer nachhaltig? Philip Heldt von der Verbraucherzentrale NRW ist selbst ein begeisterter Selbermacher, hat er uns erzählt. Er kocht und backt gerne – und hat während der Pandemie damit angefangen, Kräuterliköre herzustellen. Außerdem repariert er Dinge, die kaputt gegangen sind, gerne selbst.

Selbstgemachter Kuchen: Leckerer, aber nicht so nachhaltig

Der selbst gemachte Kuchen ist in aller Regel günstiger als der vergleichbare, handwerklich gut gemachte vom Bäcker, sagt Philip Heldt. Der Billigkuchen vom Discounter sei natürlich billiger, in aller Regel aber nicht so lecker und vor allem nicht so frisch wie selbst gemacht. Nicht ganz so überzeugend sieht es dagegen bei der Nachhaltigkeit aus: Die Verpackungen für die Zutaten fallen zum Beispiel an und wir verbrauchen Strom für den Ofen.

"Bei der Nachhaltigkeit müssen wir vorsichtig sein. Wahrscheinlich ist der selbstgemachte Kuchen nicht so nachhaltig, wie wenn er beim Bäcker gemacht wird."
Philip Heldt, Verbraucherzentrale NRW

Der Bäcker hat da eine besser Bilanz, ganz einfach deswegen, weil er nicht nur einen Kuchen in den Ofen schiebt, sondern 20 auf einmal, erklärt Philipp Heldt. Das Heizen eines einzelnen kleinen Backofen sei weniger energieeffizient. Außerdem werden die Zutaten des Bäckers in Großpackungen geliefert. Natürlich könnten wir das zuhause kompensieren, indem wir einfach nur noch im Unverpackt-Laden einkaufen.

Heißen Ofen mehrfach nutzen

Immer gleich zehn Kuchen zu backen, dürfte den meisten von uns zwar schwerfallen (vor allem, weil die seltenst alle in den Backofen passen) – aber vielleicht könnt ihr versuchen, nach dem Kuchen gleich noch etwas anderes mitzugaren, wenn der Ofen sowieso noch heiß ist, empfiehlt Philip Heldt. Damit spare man schon mal eine ganze Menge Energie.

Und wie ist das mit dem Kräuter- und Gemüsegärtchen auf dem Balkon? Ist der finanziell und ökologisch sinnvoll oder bräuchte man dafür eigentlich einen größeren Garten?

Tomaten und Radieschen auf dem Balkon

Ein größerer Garten ist finanziell sinnvoller, weil wir dort einfach mehr anbauen können, ohne gleichzeitig viel mehr Arbeiter zu investieren, sagt Philip Heldt. Ökologisch und gesundheitlich sinnvoll seien Blumen, Gemüse, Obst und Kräuter auch auf dem kleinen Balkon aber auf jeden Fall.

Die meisten Gemüse- und Obstsorten, die wir hier heimisch ziehen können, hätten nämlich eine relativ gute Blüte für unsere heimische Insekten. Denen werde durch die Grünflächen geholfen. Und: Wenn wir unsere Lebensmittel selbst anpflanzen, wissen wir in der Regel auch, dass wir eine gute Qualität bekommen und tun unserer Gesundheit etwas Gutes.

"Finanziell sinnvoller ist ein größerer Garten. Ökologisch sinnvoll sind Blumenkästen auf dem Balkon aber auf jeden Fall."
Philip Heldt, Verbraucherzentrale NRW

Dieselbe Öko-Qualität im Laden zu kaufen, sei in aller Regel teurer – die Discounter-Tomaten im Vergleich dazu hingegen wieder nicht. Wenn man es so sieht, lohne sich das Ganze rein finanziell meistens nicht – zumindest dann nicht, wenn man die Arbeitszeit, die man in die Gärtnerei investiert, einberechnet, sagt Philip Heldt.

Bewussteres Verhältnis zu Lebensmitteln

Unser Verhältnis zu Lebensmitteln habe sich während der Pandemie ein bisschen verändert, glaubt er. Zum Positiven. Das sehe er auch bei sich im Freundeskreis.

"Ich habe den Eindruck, bei mir im Freundeskreis haben viele Leute einfach mehr gekocht. Da scheint schon ein neues Bewusstsein für Lebensmittel entstanden zu sein."
Philip Heldt, Verbraucherzentrale NRW

Er hoffe, dass dieser Trend auch beibehalten werde und gute Lebensmittel wieder mehr Wertschätzung erfahren. Auch jetzt, wo wir wieder häufiger essen gehen können.

Philip Heldt von der Verbraucherzentrale NRW hat uns im Gespräch auch erzählt, ob es sich finanziell und ökologisch lohnt, selbst Nudeln zu machen oder Sauerkraut anzusetzen. Außerdem geht er darauf ein, wann und wie oft man eine Hose flicken sollte und Möbel oder technische Geräte reparieren. Das alles erfahrt ihr, wenn ihr oben auf das Audio klickt.