Durch tiefe Fallgräben, vorbei an NATO-Draht und Pfefferspray-Selbstschussanlagen bis vor den Meter hohen Zaun. Auf der anderen Seite Melilla - die EU. Der Dokumentarfilm "Les Sauteurs" zeigt das Leben an der europäischen Außengrenze.

Moritz Siebert ist Filmemacher. Seine Dokumentation "Les Sauteurs" kommt jetzt in die Kinos. Gemeinsam mit Estephan Wagner und dem Malier Abou Bakar Sidibé, ist ein beeindruckender Film über Warten, Bangen und Hoffen entstanden. Er zeigt das Leben vor hohen Zäunen - weit entfernt noch vom Rande Europas - und den Alltag lauernd vor einer beachtlichen Grenzanlage, die Marokko von der EU trennt.

"Abou konnte die Sprünge selber nicht filmen, das wäre zu gefährlich für ihn gewesen. Wir haben die Bilder der Überwachungskameras der Grenzschützer in Spanien.

Das Ziel von denjenigen, die springen, ist Melilla. Die spanische Exklave grenzt ans Mittelmeer und an Marokko. Wer dort bis ins Aufnahmezentrum gelangt, ist in Sicherheit und hat zumindest eine Chance auf Asyl. Aber es ist ein gefährlicher Weg. Selbst wer es rüber schafft, läuft Gefahr, durch die nächste Tür in der Grenzanlage an die marokkanischen Behörden übergeben zu werden.

Abou Bakar Sidibé kommt aus Mali. Er ist der Protagonist des Films. Mit 800 bis 1500 anderen Menschen lebte er in einem selbstgebauten Camp auf dem Berg Gurugú, in einem Waldgebiet, das an Melilla grenzt. Mehrmals wöchentlich versuchen hauptsächlich Flüchtlinge aus dem südlichen Afrika die dreifach gesicherte Zaunanlage zu überwinden. Abou hat viel zu dem Film beigetragen, sagt Regisseur Moritz Siebert: "Nicht nur weil er die Kamera geführt hat, sondern weil er versucht hat den Zaun zu überwinden. Er war anderthalb Jahre auf dem Berg und hat die letzten vier Monate gefilmt."

​"Die Grenzanlage wächst ständig. Jetzt hat die EU Spanien dazu gebracht, einen vierten Zaun vor dem Graben zu bauen."

2014 haben es ungefähr 2000 Leute über den Zaun geschafft. Insgesamt erreichten Melilla aber noch viel mehr Migranten. Menschen aus Syrien haben die Möglichkeit, sich in Büros zu melden, wenn sie nachweisen können, dass sie wirklich aus Syrien kommen. Nur die Leute aus dem subsaharischen Afrika müssen den Zaun überspringen.

Abu hat es nach anderthalb Jahren nach Melilla geschafft. Nach kurzem Aufenthalt durfte er aufs Festland und dann nach Madrid. Jetzt ist er seit einem Jahr als Asylbewerber in Deutschland.