Reden ist wichtig, das sieht man beim G20-Gipfel in Hamburg. Damit die Kommunikation nicht schon an der ersten Hürde – der Sprache – scheitert, sind bei den Gesprächen zwischen den Politikern Dolmetscher dabei.

Indonesisch, Französisch, Englisch, Mandarin... kann nicht jeder. Beim Treffen der G20 in Hamburg werden die Dolmetscher direkt von den einzelnen Ministerien gestellt. Oder aber die Delegationen bringen ihre eigenen Dolmetscher gleich selbst mit. 

Simultan oder konsekutiv

Die Übersetzungsprofis sitzen entweder in einer Kabine und dolmetschen simultan. Oder sie sind bei kleinen bilateralen Treffen zwischen zwei Gesprächspartnern dabei und dolmetschen konsekutiv, das heißt nach jedem Redeblock. Das verlängert die Konferenzdauer und scheidet dafür für große Plenarsitzungen aus.

Karin Walker ist bei Fachkonferenzen als Dolmetscherin tätig, sie war unter anderem im Februar 2017 beim G20-Gipfel der Außenminister in Bonn dabei.

"Bei normalen Konferenzen fordern wir zur Vorbereitung von den Veranstaltern entsprechende Unterlagen an. Bei G20 entfällt das komplett. So sehr man sich auch dahinterklemmt: Man bekommt nichts."

Die großen Themen seien aber ja bekannt, sagt Walker. G20 oder auch G7 sei ein Prozess – und die Website, die diesen abbildet, sei sehr umfangreich. Die Dolmetscher könnten und müssten sich ausgiebig einlesen.

Die politische Großwetterlage

Dolmetscher seien gut informiert über das Tagesgeschehen, sagt Walker. Vor einer Konferenz der Qualität von G20 müssten sie den Fokus auf die verschiedenen politischen Themen aber noch einmal deutlich intensivieren.

"Es ist gut, sich vorher ein paar Gedanken über die Positionen der einzelnen Länder zu machen. Wo könnten mögliche Konfliktthemen sein?"
Karin Walker, Konferenzdolmetscherin

Die Aussagen eines Politikers exakt wiederzugeben, ist durchaus eine Herausforderung. Der Dolmetscher fügt nichts hinzu und lässt nichts weg, erklärt Walker. Eine Übersetzung "eins zu eins", also quasi Wort für Wort, sei allerdings die falsche Bezeichnung für das, was sie mache.

"Wir spüren der Stimmung nach. Wir nehmen Gestik und Mimik auf. Und die Art und Weise, wie etwas gesagt wird."
Karin Walker, Konferenzdolmetscherin

Aus den eigentlichen Worten sowie den spürbaren Zwischentönen versuchen die Dolmetscher dann die Botschaft in der gleichen Schärfe bzw. Anmutung umzusetzen, wie der Redner oder die Rednerin das intendiert hat.

Die eigene Unabhängigkeit wahren

Dolmetscher sind meistens Freiberufler. Sie können Aufträge ablehnen – zum Beispiel, wenn sie mit der Ausrichtung einer Konferenz oder der Position eines Gesprächsteilnehmers nicht einverstanden sind und daher in ihrer Unabhängigkeit beeinflusst wären.