Mit 16 schmiss ihn seine Mutter raus. Elf Jahre lang hat Dominik auf der Straße gelebt. Inzwischen hat er eine kleine Wohnung. Aber wie es ist, obdachlos zu sein, kann er nicht vergessen.

Seinen Vater kennt er nicht, vom Stiefvater bekommt er Prügel. 2003, als Dominik 15 war, wird es chaotisch, wie er sagt: Mal lebt er bei der Mutter, die psychisch krank ist, mal beim Stiefvater. "Ich hab zu der Zeit auch viel Scheiß gebaut."

Dominik fliegt von der Schule, zieht zu den Großeltern nach Bayern, die ihm Halt geben. Er macht seinen Hauptschulabschluss. Doch als die Großmutter stirbt, geht er zurück nach Hamburg. Die Mutter hält es mit ihm nicht aus. "Am 5. Februar 2005 hat sie mich die Koffer packen lassen - damit ging das wirklich los. Ich war ein Straßenjunge."

"Wir sind doch alle Gewohnheitstiere. Und man gewöhnt sich eben an alles - auch an das Leben auf der Straße."
Dominik Bloh

Einen Groll auf die Mutter hat er heute nicht. Sie war eben krank. Bei den besten Freunden konnte er in der Anfangszeit hier und da mal schlafen. "Aber du bist nicht zu Hause, und das merkst du permanent." Letztendlich fühlte Dominik sich doch wie ein ungebetener Gast.

Das Jugendamt war für Dominik keine Hilfe. Er erzählt, dass er immer wieder weggeschickt wurde. Hilflos war er damals irgendwie. "Man ist mit 16 ein Kind, man hat keinen festen Charakter oder eine Stärke, so wie ich sie heute in mir spüre", sagt er. Eine Holzbank am Hamburger Hafen war für ihn ein "guter Ort, um zu bleiben" - in seinem Buch "Unter Palmen aus Stahl" erzählt er davon.

Sich an ein neues Zuhause gewöhnen

Zwar hat Dominik seit eineinhalb Jahren eine neue Wohnung - aber das Leben auf der Straße ist immer noch in seinem Kopf. Er will die Verbindung zu den Leuten dort nicht verlieren, und er will nicht vergessen, wie es dort war, sagt er.

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"Aufstehen und frühstücken und duschen - und das alles an einem Ort - ist schöner als früher."
Dominik Bloh: Hat seit eineinhalb Jahren eine "Bude" in Hamburg.

In seiner Ein-Zimmer-Wohnung sieht es ziemlich spartanisch aus: "Ich komme langsam an. Ich fühle mich wohl", sagt Dominik. Eingerichtet ist die Wohnung aber nicht, eher vollgestellt: Zwei Betten hat er, die sind nicht aufgebaut. Alle seine Sachen sind in Taschen untergebracht. Er schläft auf Matratzen.

"An einem Ort dauerhaft zu sein, das ist eine große Umstellung", erzählt Dominik. Es gehe Stück für Stück voran. Aber ohne die Hilfe und Unterstützung von verschiedenen Menschen wäre er schon längst wieder draußen, meint er.

Obdachlosigkeit nimmt zu

Rund 860.000 Menschen in Deutschland haben keine Wohnung, schätzt die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe - sie schlafen mal hier, mal da. Rund 52.000 von ihnen leben auf der Straße. Die Zahlen steigen. "Es ist ein reales Problem, das man nicht ausblenden sollte", sagt Dominik. Obwohl unser soziales System gut sei, gebe es Menschen, die durch das Raster fallen, obwohl sie Ansprüche auf staatliche Leistung hätten. Auch die bürokratischen Hürden können einen überfordern, so Dominik.

"Ich bin jeden Tag am Kämpfen, runter zum Briefkasten zu gehen, die Post aufzumachen und zu bearbeiten. Das sind Sachen, die man einfach jahrelang nicht gemacht hat."
Dominik Bloh

Rückblickend verklärt Dominik seine Zeit auf der Straße nicht. Er ist froh über sein neues Leben - und dass eine Stiftung ihn unterstützt und ihm geholfen hat, überhaupt eine Wohnung zu finden. Er sagt: "Ich glaube, es gibt keine Freundschaft auf der Straße. Das ist wirklich alles zweckbezogen."

Dominik ist jetzt bei einem Bildungsträger angestellt und bezieht sein erstes festes Gehalt. Wenn er darüber nachdenkt, muss er kurz lachen.

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