Immer wieder die gleiche Frage, wenn wir mit unseren vollen Einkaufstüten durch die Innenstadt laufen und an einem Obdachlosen vorbei kommen. Wir haben gerade eingekauft, er sitzt mit seinem alten Parka auf einem Stück Pappe auf dem Boden. Vor sich einen alten Coffee-to-Go-Becher, in den wir nun Geld werfen könnten. 

Könnten? Sollten? Oder müssten wir sogar etwas in den Becher werfen? Und wie viel? Oder gehen wir einfach weiter? Diese Fragen schwirren uns in solchen Situationen immer durch den Kopf. Die Caritas hat nun einen Leitfaden herausgegeben. Unser Reporter Dominik Peters hat ihn sich angeschaut.

'Warum nicht etwas spenden?' lautet die Gegenfrage der Caritas 

Wir können etwas spenden, meint die Caritas. Auch auf die Gefahr hin, dass sich der Obdachlose davon Alkohol oder andere Suchtmittel kauft. Denn – so der Hinweis der Caritas – bei einer vorhandenen Suchtproblematik könnte ein kalter Entzug auf der Straße lebensbedrohlich werden.

Eine Sucht nicht unterstützen empfiehlt die Heilsarmee

Damit vertritt die Caritas eine streitbare Position. Aus Sicht der Heilsarmee zum Beispiel, die sich ebenfalls für Obdachlose einsetzt. Die Heilssoldaten selbst verpflichten sich zur Abstinenz von Tabak, Alkohol und Drogen, um Vorbild sein zu können. So rät Andreas Quiring von der Heilsarmee auch davon ab, Geld in den Becher zu werfen. 

"Wir empfehlen grundsätzlich keine Geldspenden, weil Geld manchmal für Alkohol oder andere Drogen verwendet wird und man die Sucht nicht finanzieren muss."
Andreas Quring, Heilsarmee

Die Entscheidung liegt bei uns

Letzten Endes liegt die Entscheidung natürlich bei uns selbst. Das steht so auch ganz deutlich in dem Leitfaden der Caritas. Wer Geld gebe, solle dann auch dem Spendenempfänger überlassen, was dieser damit mache.

Wie viel Geld ratsam ist 

Für die Caritas sind zusammengefasst zwei Fragen wichtig: 

  1. Was kannst du dir leisten? 
  2. Was hältst Du für sinnvoll? 

Dabei geht es darum, ob wir lieber in Menschlichkeit und Solidarität investieren oder in materielle Wertanlagen. 

Warum Sachspenden nicht immer eine gute Idee sind 

Die Caritas steht Sachspenden eher skeptisch gegenüber, denn sie könnte an den Bedürfnissen des Spendeempfängers vorbeigehen. Ein Kaffee oder ein Brötchen sind zwar nette Gesten, allerdings wissen wir als Spender nicht, ob nicht schon andere vor uns auf diese Idee gekommen sind. Am Ende lande das Brötchen dann im Mülleimer. 

Die Heilsarmee sieht das ähnlich, denn so eine Spendenidee könne auch in einer Art Bevormundung enden. Deshalb rät Andreas Quring, die Bedürftigen zu fragen, was genau gerade benötigt wird. Das könnte Hundefutter sein, ein Nahverkehrsticket oder eben eine andere Sache. 

"Was brauchen Sie eigentlich? In dem Moment, wo ich ihn nach seinen Bedürfnissen frage, hört die Bevormundung auf."
Andreas Quring, Heilsarmee

Was im Alltag bleiben könnte

Unser Reporter Dominik findet einen Punkt aus dem Leitfaden der Caritas besonders wichtig: den Menschen sehen, der um eine Spende bittet. Und auf diesen Menschen dann zuzugehen. Und das möglichst angstfrei - aber auch nicht mit übertriebener Zuneigung. Was aber auch auffällt: Auf Probleme, die Obdachlose in den Städten verursachen, etwa wenn sie pöbeln oder vor Geschäften Kunden vergraulen, geht der Leitfaden der Caritas nur am Rande ein. 

Hintergrund:

Nach den letzten Zahlen der Bundesregierung aus dem vergangenen Jahr ist die Zahl der Wohnungslosen seit 2010 um 35 Prozent gestiegen. 335.000 Menschen haben kein Dach über dem Kopf. Schätzungsweise alleine 8.000 davon in Berlin. 

  • Arm in Köln. Caritas-Leitfaden für den Umgang mit Bettlern und Armut | Herausgegeben vom Caritasverband für die Stadt Köln e.V., Katholische Jugendagentur Köln gGmbH (KJA Köln), IN VIA – Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit Köln e.V., Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Köln (SkF) und dem Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Köln (SKM).