Es ist der wahrscheinlich größte Doping-Skandal der Sportgeschichte. Russische Leichtathleten haben mithilfe eines ausgeklügelten - staatlich unterstützten - Systems mit unerlaubten Mitteln ihre Leistungsfähigkeit erhöht.

Wenn König Fußball wegen diverser Skandale nicht gerade die Schlagzeilen bestimmen würde, dann wäre das, was da gerade ans Licht kommt, eine vermutlich noch dickere Nummer: Die russischen Athleten sind unterstützt worden von Personen, die höchste
politische Ämter in Russland bekleiden, unter anderem offenbar vom russischen Geheimdienst FSB.

Die Autonomie des Sports

Aber auch der Internationale Leichtathletikverband war mit im Spiel – gegen Schmiergeldzahlungen. Der Skandal schlägt immer höhere Wellen. ARD-Doping-Experte Jochen Leufgens war an der Reportage "Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht" beteiligt, die den Skandal Anfang des Jahres überhaupt erst ans Licht gebracht hat.

"Weltweit gibt es, wenn überhaupt, dann nur einen Vergleich: das Doping-System der DDR."
Jochen Leufgens, ARD-Doping-Experte

Am 11. November hat sich Putin in Sotchi mit den Sportfunktionären getroffen, um über die Krise zu sprechen. Der russische Sportminister sagt: Quatsch, das sind alles Lügen. Das seien alles "alte" Sachen, die da rausgekommen seien. "Lustig", kommentiert das Jochen Leufgens.

"Das ist in etwa so, als würde gerade das Studio in Flammen stehen und wir sagen zur Feuerwehr: Nee, Leute, es brennt nicht."
Jochen Leufgens

Der FSB hat offensichtlich Dopingkontrolleure überwacht und Sportler vor Kontrollen gewarnt. Es haben Zeugen ausgesagt, dass ihre Büros verwanzt worden sind, so Leufgens. Außerdem gebe es zweifelsfrei eine Vermengung zwischen Verbänden und Politik. Der russische Sportminister sitze etwa auch in der Exekutive der Fifa.

Sperre für Russland

Am 13. November gibt es eine Sitzung des IAAF Councils, der Führungsetage des Weltleichtathletikverbands - dort wird dann vielleicht schon entschieden, ob die Russen gesperrt werden.

"Alles andere, als die Russen für eine gewisse Zeit zu sperren, kann ich mir nicht vorstellen."
Jochen Leufgens

Die Hoffnung, dass der russische Leichtathletik-Verband angemessen lange gesperrt wird, ist bei Jochen Leufgens allerdings gedämpft: Es sei möglich, dass die Athletinnen und Athleten bereits rechtzeitig zu den Olympischen Spielen in Rio 2016 wieder in den IAAF hereingeholt würden.