Am 12. Juni beginnt die Fußball-WM in Brasilien. Dann geht es um Tore, Titel - und Doping. Wie bei jedem großen Sportturnier werden auch in Brasilien Dopingproben von den Athleten genommen. Aber: Sie werden nicht in Brasilien getestet, sondern in Lausanne - was den Analyseprozess enorm verzögert.

In ganz Brasilien gibt es kein einziges von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) akkreditiertes Kontrolllabor. Einem Labor in Rio de Janeiro hat die Wada erst im vergangenen Sommer die Lizenz entzogen, da es die geforderten Standards nicht erfüllt habe. Deshalb hatte die Fifa damals schon beschlossen, dass die Dopingproben während der Fußball-WM in Lausanne getestet werden sollen.

Urin und Blut von Schweini und Co. werden also in die Schweiz geflogen - allein das dauert schon 24 bis 48 Stunden, sagt der Journalist Oliver Günther im Gespräch mit DRadio Wissen. Dann müssen die Proben aufwendig analysiert werden - so aufwendig, dass die Analyse möglicherweise nicht rechtzeitig vor dem nächsten Einsatz der Spieler beendet werden könne.

"Die Fifa kann nicht garantieren, dass immer vor dem nächsten Spiel alle Proben untersucht werden."
Oliver Günther und seine Kollegen von hr-info haben zur Analyse von Dopingproben während der Fußball-WM recherchiert.

Die Fifa habe die organisatorischen Schwierigkeiten schlichtweg unterschätzt, sagt Sportjournalist Oliver Günther. Schon in der Vergangenheit habe sich der Weltfußballverband nicht unbedingt durch eine besonders konsequente Anti-Doping-Politik hervorgetan. So habe man etwa Dopingproben von der WM 2010 nur ein Jahr lang aufbewahrt - während bei Olympischen Spielen solche Proben auch acht Jahre später noch einmal ausgewertet werden können, um Dopingsünder nachträglich zu überführen. Diesen Standard will die Fifa ab 2014 übernehmen - ein Schritt in die richtige Richtung, meint Oliver Günther.

"So viele Dopingkontrollen wie bei der WM in Brasilien hat es seitens der Fifa noch nie gegeben - das ist sicher eine positive Entwicklung."
Sportjournalist Oliver Günther von hr-info

Auch gut: Die Fifa will einen sogenannten "Blutpass" einführen, um die Blutwerte eines Athleten über einen längeren Zeitraum beobachten zu können - und so auch eventuelle Auffälligkeiten oder Veränderungen besser zu entdecken.