Nach dem Angriff auf einen Israeli in Berlin ruft die jüdische Gemeinde am Mittwoch (25.04.2018) zur Solidaritätsaktion "Berlin trägt Kippa" auf. Wer mitmachen will, trägt an diesem Tag als Zeichen gegen Antisemitismus die traditionelle jüdische Kopfbedeckung. Was sagt ein junger Jude zu der Idee?

Für die Kundgebung in Berlin haben auch Bundespolitiker ihre Teilnahme angekündigt, darunter Unionsfraktionschef Volker Kauder und die Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter. Auch vor dem Kölner Dom, in Potsdam und in Erfurt wollen Menschen gegen Antisemitismus demonstrieren.

Dow trägt die Kippa sehr oft

Dow Glikman ist 18 und studiert an der HU Berlin Bio und Physik auf Lehramt. Er trage die Kippa "eigentlich immer", hat er uns erzählt - mal offen, mal verdeckt. 

"Die Kippa zu tragen ist jetzt nicht das Schlimmste auf der Welt. Ich glaube, ich kriege die gleichen Blicke ab, wie wenn ich im rosa Tütü in der Bahn stehen würde."
Dow Michael Glikman, Student an der HU Berlin

Manchmal nimmt Dow die Kippa auch ab, zum Beispiel in der Uni, wenn er nicht auffallen will. Oder wenn er nicht weiß, wo genau er gerade ist.

"Teilweise will ich nicht in irgendwelche komischen Gespräche verwickelt werden. Die will ich mir einfach sparen."
Dow Michael Glikman, Student an der HU Berlin
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Der Student lebt seit ein paar Monaten in Berlin und fühlt sich auch wohl. Er hat allerdings schon häufiger auch unangenehme Situationen erlebt. 

Kleine Kommentare

Das können "einfach so kleine Kommentare" sein, erzählt er uns, zum Beispiel, wenn "irgendwelche Leute auf einmal denken, sie könnten einem Klischees über Juden erzählen". Außerdem werde das Wort "Jude" oft als Synonym für "Israel" benutzt und er werde dann quasi "für die Taten Israels" verantwortlich gemacht, sagt Dow.

Vor allem positive Reaktionen

Meistens sind es aber keine blöden Kommentare, sondern eher interessiertes Nachfragen, sagt Dow. Leute kämen auf ihn zu und sprächen ihn auf die Kippa an.

"Die schönen Momente überwiegen."
Dow Michael Glikman, Student an der HU Berlin

Manchmal sei es auch einfach nur ein nettes Kopfnicken, um auszudrücken, dass man es gut findet oder sich freut, das zu sehen.

"Berlin trägt Kippa" kommt zu spät

Die Solidaritätsaktion "Berlin trägt Kippa" findet Dow okay. 

"Ich finde es gut, dass etwas gemacht wird, dass es eine Aktion gibt, die alle verbinden kann."
Dow Michael Glikman, Student an der HU Berlin

Er fragt sich allerdings, warum sie so spät kommt. Denn es ist nicht das erste Mal, dass Menschen mit Kippa angegriffen werden. 

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Zentralratspräsident rät von Kippa ab

Vor den Solidaritätskundgebungen hat der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, Juden davor gewarnt, sich in Großstädten öffentlich mit einer Kippa zu ihrer Religion zu bekennen.

"Trotzig bekennen wäre im Prinzip der richtige Weg", sagte Schuster dem RBB. "Trotzdem würde ich Einzelpersonen tatsächlich davon abraten müssen, sich offen mit einer Kippa im großstädtischen Milieu in Deutschland zu zeigen."

Empfehlung "gefühlt einmal im halben Jahr"

Dow hat vorher in Düsseldorf gelebt. Erst in Berlin hat er sich dann entschieden, die Kippa ganz offen zu zeigen. Die Empfehlung des Zentralrats komme "gefühlt einmal im halben Jahr, immer nach einem Übergriff", sagt er. Er könne verstehen, dass versucht werde, die Menschen zu schützen.

"Andererseits finde ich es schade, dass es zu der Empfehlung kommen muss: Kein Mensch in Deutschland sollte religiöse Merkmale verstecken müssen."
Dow Michael Glikman, Student an der HU Berlin

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