Ab hier bitte nur in "angemessener Kleidung": Für einige Schulen geht das Tragen einer Jogginghose oder einer Leggings gar nicht. Sitzen Schülerinnen und Schüler doch mit Jogginghose im Unterricht, müssen sie zur Strafe die Schule putzen. Der ehemalige Rektor einer Hauptschule sagt dazu: Bei uns gab es wichtigere Themen.

Sie müssen Tische in der Mensa wischen oder den Schulhof säubern: Das sind zwei der Strafaufgaben für Schülerinnen und Schüler, die in einer Jogginghose oder Leggins zur Schule kommen. Denn: An ihrer Schule ist das Tragen der "unangemessenen Kleidung" nicht erlaubt.

Vorgaben, welche Kleidung für Schülerinnen und Schüler ok ist oder eben nicht, gibt es an einigen Schulen in Deutschland: zum Beispiel an einer Realschule in Rottenburg in Baden-Württemberg, einer Gesamtschule in Mühlheim an der Ruhr und zuletzt auch an einem Gymnasium in Hannover. Sie sagen Tschüss zu Jogginghose und Co.

Das Argument: Die Schülerinnen und Schüler sollen im Unterricht nicht aussehen wie zu Hause. Ähnlich wie am Arbeitsplatz, gebe es einen Unterschied zwischen Freizeitkleidung und Kleidung für den Unterricht. Denn: Es geht darum, gepflegt auszusehen. Sitzen Schüler in Jogginghose im Unterricht, könnten sie auch auf die Idee kommen, diese beim Vorstellungsgespräch zu tragen.

Die Debatte um die Jogginghose: Sie ist nicht neu

Ja oder Nein zur Kleiderordnung an der Schule: Meinungen zu dem Thema gibt es viele. Udo Beckmann zum Beispiel begegnet dem Dresscode-Thema anders, als die oben aufgeführten Schulen. Der Bundesvorsitzende vom Verband Bildung und Erziehung war neun Jahre Rektor an einer Hauptschule in einem sozialen Brennpunkt in Dortmund und sagt: Beim Vorstellungsgespräch zähle der Gesamteindruck – um die Jogginghose gehe es nicht.

Gleiche Regeln für alle

Er meint: Schreibt die Schule eine Kleiderordnung vor, müsse die für alle gelten – das Kollegium miteingeschlossen. In dem Fall müsste er nicht nur mit Schülerinnen und Schülern darüber sprechen, wie sie sich kleiden, sondern eben auch mit den Lehrenden.

Zudem brauche es auch einen Perspektivwechsel. Beim Blick in den Kleiderschrank mancher Schülerinnen und Schüler fällt auf: Die Auswahl an Kleidung ist begrenzt. Für sie kann das Tragen einer Jogginghose etwa Freude über eine neue Hose bedeuten.

"In meiner Zeit gab es viel wichtigere Themen: zum Beispiel das Frühstück. Viele Schülerinnen und Schüler sind ohne Frühstück zur Schule gekommen. Das Problem war viel größer, als die Frage, ob das Kind eine Jogginghose oder eine Jeans trägt."
Udo Beckmann, Bundesvorsitzender vom Verband Bildung und Erziehung und ehemaliger Rektor

Statt sich um ein Verbot von Jogginghose und Co. zu kümmern, gebe es für ihn wichtigere Themen: Viele Schülerinnen und Schüler kommen hungrig in die Schule. Also stand die Debatte um die Kleidung nicht auf der Agenda seiner Schule.