Vor zwanzig Jahren hat Portugal Drogen entkriminalisiert. Bis zu einer bestimmten Menge ist der Besitz und Konsum eine Ordnungswidrigkeit, keine Straftat. Abhängige bekommen Hilfe statt Gefängnisstrafen. Portugal ist sich einig: Der liberale Weg war ein Erfolg.

Erwischt die Polizei in Portugal jemanden mit 25 Gramm Marihuana, verhaftet sie die Person nicht für eine Straftat, sondern schickt sie zu Ärztinnen und Psychologen.

Seit zwanzig Jahren gilt der Besitz und Konsum von weichen und harten Drogen wie Cannabis, Ecstasy oder Heroin in Portugal als Ordnungswidrigkeit – wie Falschparken. Drogenabhängige werden dort nicht als Kriminelle angesehen, sondern als Kranke.

Drogenkonsum vor dem Gesetz so wie Falschparken

Das portugiesische Drogenmodell hat aber auch Grenzen: Erlaubt ist der Besitz und Konsum von zehn Tagesrationen, also 25 Gramm Marihuana, zehn Pillen Ecstasy, zwei Gramm Kokain oder einem Gramm Heroin. Alles darüber sieht das Strafrecht als Dealen an.

Seitdem das liberale Drogengesetz eingeführt wurde, haben Polizei und Justiz mehr Zeit, den großen Drogendeals nachzugehen, weil die kleinen Fälle weggefallen sind. Gleichzeitig spart das System Geld ein, das auf Beratungszentren, Drogenersatzprogramme mit Methadon und eine groß angelegte Präventionsarbeit in Schulen umverteilt wurde.

Abhängigen helfen statt verurteilen

Durch die Entkriminalisierung haben Konsumierende ein Recht auf Therapien und andere Hilfen. Nachdem Lissabon vor zwanzig Jahren noch als "Drogensupermarkt Europas" galt, gebe es heute im ganzen Land deutlich weniger HIV-Neuinfizierte, sagt Andreia Alves von der Organisation CRESCER aus Lissabon. Besonders beim Konsum von Kokain und Heroin sieht sie einen langfristigen Erfolg. Dadurch würden sich auch weniger Krankheiten ausbreiten.

"Unsere Zentrale befindet sich in dem Viertel, das vor 20 Jahren der 'Drogensupermarkt Europas' genannt wurde. Die Situation hier und in ganz Portugal hat sich durch das Gesetz extrem verbessert."
Andreia Alves, Organisation CRESCER Lissabon

Für die Organisation, die übersetzt "Wachsen" heißt, arbeiten Sozialarbeiter, Psychologinnen, Krankenpfleger und Ärztinnen. Sie vermitteln Abhängigen Therapieplätze, hören zu und versorgen sie mit sauberen Nadeln, Desinfektionstüchern oder Kondomen.

Es geht darum, den Menschen auf die Art zu helfen, die sie sich wünschen, erklärt Andreia Alves. Möchten sie zum Beispiel eine Wohnung suchen, einen Job finden und wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben, bekommen sie dafür die passende Unterstützung.

Weniger Todesfälle durch Überdosis

Der Weg scheint aufzugehen: Zwar fehlen offizielle Zahlen über die Entwicklung der Drogenabhängigkeit in Portugal. Der Rückgang der Tode aufgrund einer Überdosis zeichnet aber eine Tendenz ab. Nachdem in den 1980er- und 1990er-Jahren rund 350 Menschen pro Jahr an einer Überdosis gestorben sind, sind die Todesfälle im Jahr 2019 auf 63 gesunken.

Jetzt: Drogengesetz reformieren

Als das Gesetz eingeführt wurde, hätte fast jeder eine Person, die drogenabhängig war, gekannt, erklärt Andreia Alves. Das Gesetz sei daher ein großer Erfolg gewesen. In den letzten zwanzig Jahren habe sich aber auch der Konsum verändert, heute seien zum Beispiel mehr Menschen abhängig von Alkohol.

Für Andreia Alves braucht es daher heute eine Überarbeitung des Gesetzes und Angebote, die dementsprechend angepasst sind, wie Drogenkonsumräume, wo Abhängige unter Aufsicht und unter sicheren Bedingungen konsumieren können.

"Das Gesetz war ein voller Erfolg – vor 20 Jahren. Jetzt müsste es überarbeitet und auf die heutige Situation angepasst werden. Der Konsum hat sich verändert."
Andreia Alves, Organisation CRESCER Lissabon

Im Parlament geht es momentan darum, ob Portugal Cannabis vollständig legalisieren soll. Hier sind sich die Parteien noch uneinig. Beim reformierten Drogengesetz ziehen sie aber alle eine positive Bilanz.