In den vergangenen Jahren hat sich Mosambik zu einem der Hauptumschlagplätze für Heroin in Richtung Europa entwickelt. Ohne Messenger-Systeme wäre diese Entwicklung nicht möglich – die Drogenbranche erlebt gerade eine kleine technologische Revolution.

Aus Afghanistan über Pakistan und den Indischen Ozean direkt nach Südostafrika: Mehr als 40 Tonnen Heroin sollen jedes Jahr in Mosambik ankommen und weiterversandt werden. Drogen sind zu einem zentralen Exportgut geworden, wie aktuelle Studien belegen – auch, wenn das natürlich nicht in den offiziellen Statistiken auftaucht. 

In der Regel werden die Drogen mit Lastwagen rund 3000 Kilometer nach Johannesburg in Südafrika transportiert, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Andreas Noll. Auf welcher Route das passiert, sei bestens bekannt – denn es gibt nur eine Nord-Süd-Achse, die dafür in Frage kommt. Von Südafrika gelangen die Drogen dann über verschlungene Wege nach Europa in die Zielländer.

Warum ausgerechnet Mosambik? 

Die 2400 Kilometer lange Küste am Indischen Ozean sei von den Behörden kaum zu kontrollieren, sagt Andreas Noll. Die geografischen Bedingungen dort seien gut für verdeckte Landungsunternehmen. 

"In Mosambik haben Drogenkuriere leichtes Spiel."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Die Entwicklung ist schon lange absehbar: Im Grunde zeichnete sich der Aufschwung des Drogenhandels mit dem Ende des Bürgerkriegs 1992 ab, so unser Netzreporter. Nur habe das Ganze jetzt noch einmal an Dynamik gewonnen. Auch, welche Familien das Geld dabei verdienen, ist schon lange bekannt: Aus den Wikileaks-Enthüllungen geht hervor, dass die US-Regierung schon 2010 darüber im Bilde war.

Messengerdienste erleichtern Einstieg ins Geschäft

Die gesamte Kommunikation der Drogenkuriere läuft über Whatsapp und andere Messenger-Dienste ab, berichtet Andreas Noll. Die Beteiligten haben dafür ähnliche Gründe wie auch Terrorgruppen, zum Beispiel der IS: Die verschlüsselte Kommunikation über diese Messenger ist für die Polizei nur sehr schwer abzufangen.

Auch die Drogenbranche steht vor dem Phänomen der Disruption, erklärt unser Netzreporter: Alte Techniken werden durch neue ersetzt. Im Fall der Drogen sind die Familienclans das alte Modell. Sie haben den Drogenhandel lange dominiert und kontrolliert und ihr Geld dann vor Ort gewaschen. Durch die neuen Technologien – also die Messengerdienste – können auch Gelegenheitskuriere wie Fischer oder Lkw-Fahrer mit deutlich geringeren Hürden in dieses verbotene Geschäft einsteigen. 

"Die Freelancer werden über die Messengerdienste gesteuert und instruiert."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Ermittler gehen davon aus, dass die Kuriere aus Dubai und den Vereinigten Arabischen Emiraten gesteuert werden, berichtet Andreas Noll. 

Drahtzieher in Dubai und den VAE?

Über die sicheren Chat-Kanäle können Fotos von den Drogenlieferungen geschickt werden, aber auch sensible Daten über Kontaktpersonen. Natürlich können die Behörden diese Netze infiltrieren, aber Mosambik ist eines der ärmsten Länder der Welt. Bislang haben die Kuriere dort offenbar weitgehend freie Fahrt

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