Vom geächteten und verfolgten Jungen, der in Armut aufwuchs und ständig um sein Leben fürchtete, zum Herrscher eines Weltreichs: Dschingis Khan.

Es ranken sich viele Geschichten, Legenden und Gerüchte um Dschingis Khan und die Mongolen. Brutale Kämpfer seien sie gewesen, die bedingungslos ihrem nicht minder brutalen Anführer gefolgt sind und ein Volk nach dem anderen unterdrückt haben.

Sicher waren die Mongolen nach heutigen Maßstäben brutale Herrscher über das zweitgrößte jemals existierende Weltreich. Aus dem Blickwinkel des 12. oder 13. Jahrhunderts aber fielen die Mongolen nicht aus dem Rahmen.

"Dieser Bezug auf die schon sehr weit zurückliegende Geschichte ist auf jeden Fall Teil der mongolischen Identität."
Julian Dierkes, Soziologe und Mongolei-Kenner
Dschingis Khan.
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Darstellungen von Dschingis Khan.

Dschingis Khan wird als "Temüdschin" – der Schmied – um das Jahr 1160 geboren. Die Welt, in die er hineingeboren wird, ist rau. Die Stämme der Mongolen sind in Kämpfe um die Vorherrschaft verwickelt, es gibt ständig Streit zwischen den mongolischen Nomadenstämmen.

Sein Vater ist einigermaßen wohlhabend, hat dabei Land und Vieh geraubt und auch seine Frau vom Hochzeitswagen ihres Bräutigams verschleppt. Sie wird Temüdschins Mutter. Wie alle Kinder lernt er reiten, mit Pfeil und Bogen umgehen und jagen.

Als sein Ur-Großvater Kabul Khan 1150 stirbt bricht das große Reich der Mongolen auseinander, vor allem die nach Autonomie strebenden Tataren wollen das Mongolenreich verlassen.

Mongolisches Reich: Zweitgrößtes Reich der Menschheitsgeschichte

Erst der Urenkel – Temüdschin – Kabul Khans schafft den erneuten Zusammenschluss der mongolischen Stämme zu einem Riesenreich. 1206 wird Temüdschin zu Dschingis Khan – dem Großkhan des Mongolenreichs.

In seiner Lebenszeit bis etwa 1228 entsteht das zweitgrößte Reich der Menschheitsgeschichte – nur das britische Empire war am Anfang des 20. Jahrhunderts größer. 26 Millionen Quadratmeter Landfläche für 100 Millionen Menschen – das war das Ausmaß des Mongolenreichs, das sich zwischen dem Norden des heutigen Chinas, dem Süden Russlands und dem Osten Kasachstans erstreckte.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Die Bonner Historikerin Veronika Veit beleuchtet die Person Dschingis Khan.
  • Der Münchner Sinologe Hans van Ess erläutert die Bedeutung der Mongolen für die Geschichte Asiens.
  • Der Mongolei-Experte Julian Dierkes von der University of British Columbia berichtet über den Mythos Dschingis Khan in der heutigen Republik Mongolei.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld schildert die Anfänge der mongolischen Besiedlung Zentralasiens.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sandra Doedter erinnert an den Aufstieg Temüdschins zum Großkhan aller Mongolenstämme.