Manche Äcker werden mit Gülle von Tieren gedüngt. Geht das mit menschlichem Urin und Kot vielleicht genauso gut? Das hat ein Wissenschaftsteam aus Deutschland und der Schweiz jetzt ausprobiert. Ergebnis: Vor allem unser Urin kann gut zu Dünger verarbeitet werden.

Ariane Krause vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenanbau in Großbeeren bei Berlin hat zusammen mit Kolleg*innen einen Sommer lang Weißkohl auf einem Acker angebaut – und den mit Dünger aus recycelten menschlichen Exkrementen gedüngt. Ergebnis: Dünger aus aufbereitetem Urin brachte eine ähnlich gute Ernte hervor wie ein herkömmlicher Bio-Dünger.

"Wir konnten in unserem Versuch zeigen, dass es möglich ist, mit einem Dünger aus Urin gleiche Erträge zu erzielen wie mit einem herkömmlichen Dünger."
Ariane Krause, Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenanbau

Pflanzen, in diesem Fall Weißkohl, brauchen ausreichend Nährstoffe, damit sie gut wachsen. Ariane Krause erklärt, dass vor allem unser Urin viele Nährstoffe enthält.

Nachhaltiger Dünger aus Urin

Deswegen sei Dünger aus Urin besonders nachhaltig, denn man müsse die Nährstoffe nicht irgendwo abbauen oder künstlich mit viel Energie produzieren. Und: Darin waren kaum Schadstoffe. Am Ende ließen sich im Kohl nur zwei Medikamente in verschwindend geringer Konzentration nachweisen.

"Das sind keine Nährstoffe, die wir künstlich aus der Luft oder mit dem Bagger aus Bergwerken geholt haben, wie bei Phosphat, sondern im Kreislauf geführte Nährstoffe."
Ariane Krause, Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenanbau

Das Team hat zum Vergleich auch Weißkohl mit Kompost angebaut. "Der Kompost alleine erzielt noch nicht die gleichen Erträge. Das ist aber zu erwarten für Kompost", sagt Ariane Krause, "allerdings wenn wir den Kompost mit den Düngern aus Urin gemischt haben, sind wir auch dann auf einem gleichen Ertragsniveau ausgekommen."

Krankheitserreger müssen entfernt werden

Am Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenanbau wird mit fertig hergestellten Recycling-Dünger gearbeitet. Die Forschenden interessieren sich vor allem für die Anwendung und Auswertung. "Auf die Versuchsflächen kommen nur Dünger, die hygienisch unbedenklich sind. Das heißt, da sind keine Krankheitserreger mehr drin. Und es gibt kein Risiko mehr – sowohl für die Gärtner*innen als auch dann beim Konsum des Gemüses", sagt Ariane Krause.

Von der direkten Düngung mit menschlichen Fäkalien rät die Wissenschaftlerin daher ab. "Es braucht schon zwischendurch eine Behandlung. Wichtig bei den Behandlungsschritten sind zum einen: Wir müssen Krankheitserreger abtöten", so Ariane Krause. Zum anderen sollen zwar die Nährstoffe im Dünger erhalten bleiben, allerdings müssen Schadstoffe, wie zum Beispiel Rückstände von Arzneimitteln oder Hormonen, herausgefiltert werden. "Die wollen wir nicht im Kreislauf führen", so die Wissenschaftlerin.

"Rückstände von Arzneimitteln oder Hormonen wollen wir nicht im Kreislauf führen. Das heißt, die müssen wir auch rausholen."
Ariane Krause, Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenanbau

Um menschliche Ausscheidungen in Zukunft besser nutzen zu können, empfiehlt Ariane Krause Folgendes:

  • Wir sollten unsere Fäkalien weniger verdünnen. Ein großer und wichtiger Nebeneffekt dabei sei, dass wir Wasser sparen. Wir sollten demnach mindestens wassersparende, wenn nicht sogar komplette Trockentoiletten verwenden.
  • Es sei auch wichtig, dafür Toiletten zu nutzen, die unsere Fäkalien getrennt erfassen, also Festes und Flüssiges sollte in unterschiedlichen Behältern gesammelt werden.
  • Die Sammlung und Weiterfahrt sollte auf Quartiersebene oder im Stadtteil passieren statt über zentrale Anlagen. Es sei nicht notwendig, dass jeder Haushalt seine Exkremente einzeln sammelt.
  • Moderatorin:  Sonja Meschkat
  • Gesprächspartnerin:  Ariane Krause, Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenanbau