Was passiert nach dem Brexit mit den EU-Bürgern, die in Großbritannien leben? Diesen und zwei weitere Streitpunkte in Sachen Brexit haben die EU und Großbritannien geklärt.

Rund drei Millionen EU-Bürger leben aktuell in Großbritannien. Und der Brexit rückt immer näher: Im Oktober 2018 soll der Ausstieg Großbritanniens aus der EU vollzogen werden.

Ein wichtiger Punkt der nun endlich klar ist: Wenn es um den zukünftigen Aufenthaltsstatus von EU-Bürgern in Großbritannien geht, ist weiterhin der Europäische Gerichtshof zuständig. Das heißt Großbritannien kann nicht einfach die Bürgerrechte von EU-Bürgern beschneiden.

Aufenthaltsgenehmigungen für EU-Bürger

Dennoch könnten in Großbritannien lebende EU-Bürger in Zukunft einige Privilegien verlieren. Geklärt ist aber im Moment wenigstens die Frage des Familiennachzugs: Laut dem neuen Brexit-Plan sollen enge Familienmitglieder weiterhin nachziehen dürfen.

Und für den Aufenthaltsstatus ist zurzeit ein sogenannter "Settled Status" geplant. Das ist eine spezielle Aufenthaltsgenehmigung, die EU-Bürger nach dem Brexit beantragen können. Der Nachteil: Sollte Großbritannien einen solchen Antrag ablehnen, muss die betroffene Person das Land verlassen.

Maike Bohn lehnt den "Settled Status" darum ab. Sie lebt selbst seit 25 Jahren in England und setzt sich mit ihrer Organisation "The three million" für die Rechte der Europäer im Land ein. 

"Das beinhaltet momentan noch, dass wir bei Ablehnung unseres Antrages des Landes verwiesen werden und von außerhalb Berufung einlegen. Wir wollen so arbeiten und leben können wie bisher, weil das sonst tausende von Familien auseinanderreißt."
Maike Bohn, EU-Bürgerin in Großbritannien

EU-Bürger wurden des Landes verwiesen

Viele EU-Bürger haben schon jetzt eine Aufenthaltsgenehmigung beantragt. Sie wollen auf Nummer Sicher gehen, um auch nach dem Brexit auf jeden Fall in Großbritannien bleiben zu können. Dabei kommen relativ häufig bürokratische Fehler vor, sagt Maike Bohn. Viele dieser Anträge seien abgewiesen worden. Hinzu komme, dass schon mehrere tausend EU-Bürger des Landes verwiesen wurden. 

Das ist mittlerweile sogar der EU-Kommission schon sauer aufgestoßen, schließlich gehört Großbritannien im Moment noch zur EU und muss sich an geltendes EU-Recht halten, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Timo Nicolas.

"In vielen Fällen erhalten EU-Bürger jetzt schon Briefe, in denen steht, dass ihr Antrag auf Aufenthalt abgelehnt wurde und sie das Land verlassen müssen. Das ist eine Mischung aus etwas, das wie Schikane aussieht und Fehler, die in jeder Bürokratie passieren können."
Maike Bohn, EU-Bürgerin, die in Großbritannien lebt

Die Stimmung der Briten gegenüber der EU hat sich geändert

Ellen Joelle Höfer lebt seit zehn Jahren in Schottland. Seit ihre Kollegen aber immer häufiger über Europa und die Europäer hergezogen haben, hat sie ihren Job gekündigt - auch wenn es ihr schwer gefallen ist. Im nächsten Schritt kann sie sich sogar vorstellen, Schottland ganz zu verlassen.

"Ich fand es nicht persönlich beleidigend, aber unheimlich frustrierend. Es hat mir Angst gemacht für den Rest Großbritanniens, weil ich weiß, dass es in Schottland viel weltoffener mit Ausländern umgegangen wird."
Ellen Joelle Höfer, EU-Bürgerin, die in Schottland lebt

Eine andere Frage, die sich in Großbritannien lebende EU-Bürger stellen: Was passiert, wenn ich Großbritannien für längere Zeit unterbreche? Wenn ich zum Beispiel aus familiären Gründen ein paar Monate nach Deutschland zurückkehren muss, verliere ich dann sofort meinen Aufenthaltsstatus?

Im Moment sieht es nicht so aus. Der Aufenthaltsstatus wäre erst nach fünf Jahren im Ausland gefährdet. Das gilt allerdings nur, wenn die Brexit-Regelungen so abgesegnet werden, wie im Moment besprochen und es nicht doch noch zu einem harten Brexit kommt.