Hey Du! Ja, genau, Du! Die Deutsche Bahn sagt jetzt Du zu dir. Ikea macht das schon seit Jahrzehnten. Und viele andere Unternehmen und Konzerne sagen Du, als ob sie deine besten Kumpels wären. Warum machen die das eigentlich alle?

Die ganz große Du-Revolution ist es noch nicht: Das Bahnpersonal, die Durchsagen im Zug und die Servicemenschen am Schalter werden euch in aller Regel immer noch mit "Sie" ansprechen. Auf anderen Kommunikationswegen der Deutschen Bahn wie Facebook oder Twitter heißt es aber "Du".

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Ungewöhnlich ist das gar nicht, sagt der Linguist Horst Simon, schließlich ist das "Du" in den Sozialen Medien ohnehin weit verbreitet und üblich. Auch Unternehmen setzen verstärkt auf die persönliche, freundschaftliche Ansprache. Es sei eher ungewöhnlich, wenn eine Institution dauernd streng siezen würde. Die Deutsche Bahn ist hier also eher ein Nachzügler, meint Horst Simon.

"Manche sind halt schneller, manche nicht so schnell. Die Bahn ist nicht immer schnell."

Für den Linguisten ist das Ziel des Du-Experiments der Deutschen Bahn klar: Dr Konzern will sich offenbar ein zeitgemäßes, modernes, jugendliches Image verpassen. "Wenn ich jemanden duze, dann heißt das: 'Ich fühle mich locker, bin gut drauf, bin ein jugendlicher Mensch.' Oder ich möchte zumindest so tun, als sei ich so." Das "Du" oder "Sie" sagt also immer auch etwas über die sprechende Person selbst aus.

"Du" kann auch kompliziert werden

Zahlreiche Unternehmen duzen – wenn ihr im Fashionstore oder im Dönerladen mit "Sie" angesprochen würdet, fändet ihr das wohl reichlich merkwürdig. Auch wir bei Deutschlandfunk Nova sagen "ihr" zu euch. Sogar die Berliner Polizei sagt "Du", zumindest in einer Werbekampagne.

Das kann auch zu kniffeligen Situationen führen, sagt Horst Simon. An der FU Berlin spricht er seine Studentinnen und Studenten mit "Sie" an. Außer es sind welche, mit denen er enger zu tun hat, etwa in einer Forschungsgruppe. Dann würden sie zum Kreis der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehören und geduzt werden. Dadurch könnten Konflikte passieren, dass Simon in einer Arbeitsgruppe einige der Anwesenden duze, den anderen Teil aber sieze.

"Wir werden nicht mehr erleben, dass das 'Sie' irgendwann komplett weg ist."

Sorgen um das "Sie" müssen wir uns aber nicht machen, das wird nicht so bald aus unserer Sprache verschwinden. Denn, so vermutet Horst Simon, Menschen haben ein starkes Bedürfnis, Gruppenzugehörigkeiten zu definieren. Ganz nach dem Motto: Du gehörst zu uns – Sie gehören nicht zu uns. So könne Distanz zu anderen Menschen geschaffen werden, sagt der Linguist.