Der laut Medienangaben letzte verbliebene Berliner Taxifahrer mit E-Auto hat einen Schlussstrich gezogen und aufgegeben. Seine Beweggründe sind symptomatisch für die Probleme mit der Elektromobilität in Deutschland.

Seit 2016 war Martin Doll in der Hauptstadt mit seinem Tesla-Taxi unterwegs. Vor allem wegen Problemen mit der E-Ladeinfrastruktur muss er jetzt Schluss machen, berichtet das Techblog Golem.

Preisexplosion an der Stromtanke

Die Tarife seines Ladesäulen-Betreibers waren in der letzten Zeit so stark angestiegen, dass sich die E-Mobilität insgesamt (mit Anschaffung, Wartung und ähnliches) für Martin Doll nicht mehr rechnet, berichtet unsere Netzreporterin Martina Schulte. Das Problem, unter dem viele E-Auto-Nutzer leiden: Es gibt in Deutschland keine einheitliche Tarifregelung.

"Im Prinzip kann in Deutschland jeder Anbieter verlangen, was er will. Das ist wie im Wilden Westen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Deutsche E-Autofahrer leiden (nach wie vor) unter Tarif-Chaos und hohen Preisen. Zu diesem Schluss kommt der Ladesäulencheck 2019, den das Marktforschungsinstitut Statista zusammen mit dem Ökostromanbieter LichtBlick durchgeführt hat.

Betreiber entscheiden über Preise und Zahl der Ladesäulen

Aber nicht nur über die Preise, auch über die Zahl der Ladesäulen können die Ladesäulenbetreiber quasi frei bestimmen – "wie früher die Fürsten und Barone in ihren Reichen", sagt Martina Schulte. Die Folgen liegen auf der Hand: Für die gleiche Reichweite ist Ladestrom heute teilweise deutlich teurer als Benzin. Der Vorteil der Elektromobilität werde so torpediert, schreibt das E-Mobilitäts-Portal ecoment.

Der Berliner Ex-E-Taxifahrer Martin Doll hat sich aber nicht nur über Kosten und Zahl der Ladesäulen aufgeregt. Sondern auch über die Tatsache, dass die Säulen sehr oft zugeparkt sind. In Berlin gibt es zwar laut Bundesnetzagentur über 500 Ladesäulen. Die nützen aber natürlich nicht viel, wenn sie nicht zugänglich sind.

Zugeparkte Ladesäulen

Zum einen stehen dort – unerlaubterweise – PKW mit Verbrennungsmotoren, die woanders scheinbar keinen Parkplatz gefunden haben. Das noch größere Problem in Berlin sind laut Martin Doll aber die Carsharing-Dienste. Seine Probleme hätten begonnen, als VW seinen Dienst "We Share" auf die Berliner Straßen brachte: Plötzlich waren 1.500 zusätzliche Elektro-Golfs in der Berliner Innenstadt – das Unternehmen habe aber nicht gleichzeitig auch für eine zusätzliche Ladeinfrastruktur gesorgt. Dazu ist VW gesetzlich bisher auch nicht verpflichtet. Und weil Sixt und DriveNow das laut Martin Doll genauso machen, sind derzeit in Berlin fast alle Ladesäulen von Carsharern zugeparkt – verrückterweise nicht selten ohne, dass die Autos überhaupt Strom aus den Ladesäulen ziehen.

Die Förderung der Ladeinfrastruktur ist eines der großen Ziele, die die Bundesregierung mit Hilfe eines 300 Millionen Euro schweren Maßnahmenpaketes erreichen will. Im Regierungsprogramm Elektromobilität ist nachzulesen, wie das klappen soll.

Polizei schleppt oft nicht ab

Die Berliner Polizei geht zwar gegen solche Falschparker vor und ist auch bereit, sie abzuschleppen – Anfang 2019 hat sie beschlossen, dass das Abschleppen von Falschparkern an Elektroladesäulen "grundsätzlich verhältnismäßig" ist. Trotzdem entscheiden sich viele Polizisten im Einzelfall dagegen, und zwar in solchen Fällen, in denen die Carsharing-Autos zwar an der Ladesäule dranhängen, sie aber nicht mehr laden.

"Eigentlich müssten sie nach Beendigung des Ladevorgangs spätestens morgens wieder von der Ladesäule entfernt werden. Genau das geschieht aber häufig nicht."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Vielleicht kann die Reform des Bußgeldkatalogs zu einer Verbesserung führen, meint Martina Schulte. Das Bundesverkehrsministerium will künftig ein Bußgeld von 55 Euro festschreiben, wenn ein Fahrzeug "unberechtigt auf einem Parkplatz für elektrisch betriebene Fahrzeuge geparkt" wird.

Höhere Bußgelder geplant

Momentan kostet das in Berlin nur 15 Euro und tut den Falschparkern offenkundig zu wenig weh. Außerdem dürfen die Autos, die zwar ein Ladekabel eingesteckt haben, aber gar keinen Strom mehr saugen, gar kein Knöllchen bekommen.

Um solche schnell wieder von den Ladestationen wegzubekommen, hilft wahrscheinlich auch nur eine Strafgebühr, glaubt unsere Netzreporterin – zum Beispiel so, wie sie Tesla an seinen Ladestationen verlangt. 80 Cent pro Minute kostet es, wenn ein vollgeladener Tesla an einem komplett belegten "Supercharger" eine Ladesäule blockiert.