Die digitale Patientenakte als Alternative zur auf Papier gedruckten wartet noch immer auf den großen Durchbruch. Der soll im Jahr 2023 kommen.

Laborwerte checken, Arztbefunde und Röntgenfotos anschauen – all das ist eigentlich schon seit zwei Jahren mit der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) auch per Smartphone oder Tablet möglich. Doch nur die wenigsten nutzen diese Möglichkeit.

Bei den größten Krankenkassen sind es 450.000 von zusammengenommen 52 Millionen Versicherten. Das ist das Ergebnis einer Befragung der Deutschen Presseagentur.

Opt-out-Verfahren für elektronische Patientenakte soll 2023 kommen

Im Prinzip ähnelt die elektronische Patientenakte einer App, in die wir Laborberichte, Notfallverfügungen oder Medikamentenpläne ablegen können. Beim nächsten Check-Up kann der Arzt oder die Ärztin der App neue Befunde hinzufügen. Auch der Mutterpass, das Zahnbonusheft oder der Impfpass lassen sich darin speichern.

Aktuell ist die App nicht gerade verbreitet. Das soll sich nach dem Willen des von der SPD geführten Gesundheitsministeriums 2023 ändern. Anfang November kündigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach einen Gesetzentwurf für das Opt-out-Verfahren an.

Bisher mussten wir uns aktiv für die elektronische Patientenakte entscheiden, wenn wir sie nutzen wollten. In Zukunft soll es anders laufen: Jede*r Versicherte soll sie erhalten, wenn nicht widersprochen wird. Das schrieb das Bundesgesundheitsministerium von Karl Lauterbach (SPD) im November auf Twitter.

"Mit dem Opt-Out-Prinzip will die Bundesregierung ihr Ziel erreichen, dass bis 2025 mindestens 80 Prozent der gesetzlich Versicherten eine E-Patientenakte haben."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Bis 2025 sollen mindestens 80 Prozent der gesetzlich Versicherten eine E-Patientenakte haben. Das ist formulierte Ziel der Ampelkoalition.

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte erklärt: "Die elektronische Patientenakte ist ein typischer deutscher Digitalisierungs-Fail. Bei der Umsetzung hapert es an vielen Stellen, zum Beispiel hat jede Krankenkasse ihre eigene Patientenakten-App." Die Einrichtung und Bedienung sei ziemlich kompliziert. Auch bei der Vernetzung der Praxen mit dem System gehe es nicht voran, weil zum Teil noch die technischen Voraussetzungen fehlen, um voll einzusteigen.

Kritik vom Chaos Computer Club

Kritik am Datenschutz gibt es vom Chaos Computer Club (CCC). Der CCC entdeckte schon mehrere Schwachstellen in den Apps, zuletzt beim Video-Identifizierungs-Verfahren. Das wird beim Zugang zur EPA-App auf dem Smartphone genutzt. Durch eine technische Schwachstelle können Fremde demnach an sensible Daten gelangen.

Die Gematik, die als Unternehmen für die Digitale Medizin im deutschen Gesundheitswesen für die Umsetzung verbindlicher Standards im nationalen Bereich sorgen soll, stoppte wegen der Sicherheitslücken die Verwendung des Videoident-Verfahrens. Das Videoident-Verfahren soll zur Identifizierung des Nutzers bei der ePA dienen.

Auch Datenschutzbeauftragte haben Bedenken, dass sensiblen Patientendaten nicht gut genug geschützt sind.

  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartnerin:  Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin