Seit einem Jahr gibt es die E-Scooter. Mit ihnen kam eine vielschichtige Diskussion: Von der Chance für die Verkehrswende bis zur Kritik an zu wenig Platz auf Geh- und Radwegen. Wie sieht es also nach einem Jahr aus?

Für viele war das Thema E-Scooter ein Streitpunkt. In der Debatte um die E-Roller weist Verkehrsforscherin Laura Gebhardt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) besonders auf einen Aspekt hin: die Zeit. Denn Mobilität ist stark von Routinen geprägt, erklärt sie. Und es brauche eben Zeit, um über viele Jahre antrainierte Verhaltensmuster zu verändern. Ein Jahr reiche da nicht aus.

Wir sollten E-Scootern daher weiterhin eine Chance geben, so die Verkehrsforscherin. Statt sie als den entscheidenden Baustein der Verkehrswende anzusehen, sieht Laura Gebhardt die Roller bisher als eine weitere Alternative von vielen innerhalb einer Verkehrswende an.

"Ich würd gern den E Scooter noch eine Chance geben. Weil ein Jahr ganz wenig Zeit ist. Wenn wir über Verhaltensänderungen nachdenken, egal in welchen Lebensbereichen, dann sehen wir, dass Veränderungen Zeit brauchen."
Laura Gebhardt, Verkehrsforscherin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Zumal das Angebot gemessen an den Einwohnerzahlen der Städte bisher vergleichsweise gering ist. In Berlin gibt es zum Beispiel gut 15.000 E-Scooter, in München etwa 8000, Köln 9000 und knapp 7000 Roller in Frankfurt.

Datenlage bisher mau

Und auch ein Blick auf bisher veröffentlichte Daten oder Studien über E-Scooter verdeutlicht den Zeit-Aspekt. Zum Beispiel tauchen Unfälle mit Elektro-Rollern erst seit Anfang des Jahres als eigener Punkt in der Unfallstatistik auf. Für Deutschland sollte es erste Zahlen demnach Ende des Jahres geben.

Ähnlich sieht die Datenlage auch bei vielen weiteren Punkten der E-Scooter-Debatte aus. Die Auswahl unter den bisherigen Erhebungen ist für Deutschland noch zu gering. Tendenzen können aktuell aus Daten von US-Studien abgelesen werden, wie etwa zu Folgen von Unfällen mit E-Scootern.

Debatte über mehr Raum für Verkehrsmittel

Was aktuell hingegen möglich ist: Den Schwerpunkt der Diskussion zu verlagern. Für Verkehrsforscherin Laura Gebhardt braucht es vielmehr ein Umdenken der Beziehung von Stadtraum und Straßenraum. Es geht also um die Frage um mehr Raum für neue Verkehrsalternativen wie eben E-Scooter innerhalb der Stadt, damit das Zusammenspiel von ganz unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern eine Chance hat.

"Viel mehr als in dieser Diskussion immer auf diese E-Scooter zu schimpfen, sollten wir mehr den Blick drauf richten, mal zu fragen: Müssen wir vielleicht über eine Neuverteilung von Stadtraum und Straßenraum nachdenken?"
Laura Gebhardt, Verkehrsforscherin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)