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Wegen des Kalten Kriegs fordert die Nato Deutschland dazu auf, wieder Waffen aufzurüsten. Um dessen Umsetzung sollen sich Offiziere der ehemaligen Wehrmacht kümmern. Es entsteht die Himmeroder Denkschrift, in der die Offiziere unter anderem fordern, die Ehre von ehemaligen Wehrmachtssoldaten und Angehörigen der Waffen-SS wiederherzustellen.

Als Dwight D. Eisenhower, damaliger Nato-Oberbefehlshaber und späterer US-Präsident, am 23. Januar 1951 erklärt, dass der deutsche Soldat tapfer für seine Heimat gekämpft habe, sind viele sprachlos über den scheinbaren Sinneswandel. Knapp ein Jahr später zieht auch Bundeskanzler Konrad Adenauer mit seiner sogenannten Ehrenerklärung nach.

Wiederbewaffnung Deutschlands

Ihnen voraus lag eine Tagung von 15 hohen und höchsten Offizieren der ehemaligen Wehrmacht im Oktober 1950 im Kloster Himmerod. Im Auftrag von Bundeskanzler Adenauer sollen sie Voraussetzungen einer Wiederbewaffnung der jungen Bundesrepublik Deutschland erarbeiten. Heraus kommt eine Denkschrift "über die Aufstellung eines deutschen Kontingents im Rahmen einer übernationalen Streitmacht zur Verteidigung Westeuropas" – politischer Sprengstoff, über den sich die Offiziere bewusst sind.

Die Aufforderung zur Wiederbewaffnung Deutschlands kommt von den USA und anderen Mitgliedern der 1949 geschaffenen Nato. Denn: Die westliche Verteidigungsgemeinschaft rüstet im Kalten Krieg auf. Gerade erst hat der Krieg auf der koreanischen Halbinsel begonnen und der westlichen Welt gezeigt, dass die Sowjetunion es darauf anlegen wird, ihren Einfluss auch mit militärischen Mitteln auszuweiten.

Die Bundesrepublik soll daher in die Nato integriert werden, um als "Frontstaat" in unmittelbarer Nachbarschaft zur sozialistischen Staatengemeinschaft militärische Attacken abwehren zu können.

Umstrittene Denkschrift

Als der Bundeskanzler also die Offiziere der ehemaligen Wehrmacht versammeln lässt, um eine Wiederbewaffnung Deutschlands zu verschriftlichen, stellen sie ihren Überlegungen voran, dass die "Diffamierung" von Soldaten der Wehrmacht und der Waffen-SS eingestellt, als Kriegsverbrecher verurteilte Soldaten freigelassen, schwebende Verfahren gestoppt und eine "Ehrenerklärung für den deutschen Soldaten" abgegeben werden müsse.

Nach den jeweiligen sogenannten Ehrenerklärungen von Eisenhower und Adenauer werden sieben der 15 Offiziere in die Bundeswehr aufgenommen, wo sie teilweise Generalsrang erreichten.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Historiker und wissenschaftlicher Leiter der Forschungsstelle Ludwigsburg Martin Cüppers erläutert das Wesen und den Aufbau der Waffen-SS.
  • Historikerin Annette Weinke schildert die Entnazifizierungsverfahren der Wehrmachtssoldaten nach dem Zweiten Weltkrieg.
  • Hannes Heer hat in den 90er-Jahren die Wehrmachtsausstellung organisiert und schildert, wie und wo die Wehrmacht in die NS-Verbrechen verstrickt war.
  • Stefan Wolle ist wissenschaftlicher Leiter des DDR-Museums in Berlin und schildert, wie ehemalige Wehrmachtssoldaten am Aufbau der Nationalen Volksarmee der DDR beteiligt waren.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld beschreibt die Himmeroder Denkschrift, mit der 1951 ehemalige Wehrmachtsgeneräle die Ehrenerklärung für sich und Angehörige der Waffen-SS gefordert haben.
  • Deutschlandfunk Nova-Reporterin Esther Körfgen erklärt das Zustandekommen der Himmeroder Erklärung.