An einem Abend im August 2018 fällt bei Franziska und ihrem Freund Nico der Strom in der Wohnung aus. Aber nicht überall, sondern nur in der Küche und im Bad. Erst denken sich die beiden nichts dabei – so ein Stromausfall kann mal passieren, das regelt sich bestimmt. Leider liegen die beiden falsch: Der Kühlschrank wird im Schlafzimmer angeschlossen, duschen können sie erst mal nur kalt oder im Schwimmbad und Wäsche waschen geht nur bei Freunden oder im Salon. Franziska und Nico machen sich auf die Suche – und finden heraus: Die Lage ist äußerst kompliziert.

Anmerkung: Dieser Text ist die Grundlage für einen Radiobeitrag. Der beinhaltet Betonungen und Gefühle, die bei der reinen Lektüre nicht unbedingt rüberkommen. Außerdem weichen die gesprochenen Worte manchmal vom Skript ab. Darum lohnt es sich, auch das Audio zu diesem Text zu hören.

Nico: "Jetzt im Nachhinein – mit einem dreiviertel Jahr Abstand – ist es einfach nur noch eine witzige Geschichte. Aber damals war es schon ziemlich unangenehm."

"Jetzt im Nachhinein – mit einem dreiviertel Jahr Abstand – ist es einfach nur noch eine witzige Geschichte. Aber damals war es schon ziemlich unangenehm."
Nico über die Zeit, als der Strom in Küche und Bad weg war

Das ist mein Freund Nico. Er erzählt vom vergangenen Sommer 2018. Besser gesagt: Von ein paar sehr frustrierenden Tagen im August, die für uns ziemlich anstrengend waren. Alles fängt an einem Donnerstagabend an. Ziemlich unspektakulär, mit einer WhatsApp-Nachricht von Nico.

Nico: "Wir haben keinen Strom in der Küche … und im Bad …"

Plötzlich ist der Strom in Küche und Bad weg

Alle Steckdosen in Küche und Bad sind tot. Auch der Durchlauferhitzer, der uns mit Warmwasser versorgt, funktioniert nicht – aber das Licht geht in allen Räumen. Und auch im Wohn- und Schlafzimmer haben wir überall Strom. Also haben wir erst mal geguckt, ob die Sicherungen rausgeflogen sind. Sind sie aber nicht. Dann war der nächste Weg runter in die Kneipe, Kabeltrommel holen – damit der Kühlschrank nicht abtaut.

Nico: "Es ist ja auch eine der Ängste, die wir mit dieser Wohnung haben – weil alles relativ alt ist – dass irgendwann hier die Elektrik mal versagt. Und dann Wände aufgerissen werden müssen. Und das war dann die erste Angst, die ich jedenfalls hatte, dass gerade wenn nur ein Teil der Wohnung keinen Strom hat, irgendwas an den Leitungen nicht in Ordnung ist."

Franziska: "Das habe ich auch gedacht, ne. Irgendwie … Mäuse. Wir hatten ja auch ein Mäuseproblem hier zeitweise. Und dann dachte ich so, jetzt sind die irgendwo an den Kabeln und haben die Kabel kaputt gefressen."

Kleiner Spoiler: Es waren keine Mäuse. Am nächsten Morgen gibt es immer noch keinen Strom. Und auch keine warme Dusche - zur Erinnerung der Durchlauferhitzer braucht Strom. Immerhin kriegt Nico endlich die Hausverwaltung an die Strippe. Die bestellen einen Elektriker. Ich sitze bei der Arbeit und werde per Nachrichten-Liveticker über WhatsApp informiert.

Nico: "Ich habe den Elektriker gefragt, ob er heute kommen kann. Da hat er laut gelacht."

Nico: "Elektriker kommt am Montag. Und da hat die Hausverwaltung schon ordentlich Druck gemacht."

Kochen geht nicht, waschen geht nicht und es wird kalt geduscht

Es ist Freitag. Das bedeutet ein Wochenende kaltes Wasser und nicht kochen. Und ja, ich weiß, es gibt Schlimmeres als das. Viel Schlimmeres. Für mich war das schon erst mal hart mich zu arrangieren mit den Verhältnissen.

Nico: "Wäsche waschen ging nicht, Spülmaschine ging nicht. Na ja, das geht ja immer noch, aber warmes Wasser gab’s eben auch keins, d.h. richtig Abwaschen geht nicht, der Kühlschrank behelfsmäßig. Die einzige Warmwasserquelle war unser Wasserkocher …"

Franziska: "Über die Kabeltrommel, die noch Strom aus dem Schlafzimmer gekriegt hat."

Nico: "Genau."

Täglich Duschen – das ist für mich eigentlich Standard. Ich weiß: Das ist totaler Luxus. Doch dieser Luxus ist für mich mittlerweile selbstverständlich geworden, weil ich auch viel Sport mache und mich dann wohler fühle. Bis jetzt. Jetzt muss ich mich mit eiskalten Miniduschen begnügen. Fürs Haare waschen geh ich jetzt ins Schwimmbad.

"Ich glaub am Wochenende haben wir noch viele Witze gemacht."
Franziska über die ersten Tage ohne Strom

Franziska: "Ich glaub am Wochenende haben wir noch viele Witze gemacht."

Nico: "Ja, aber ich glaube, da war auch immer noch so ein bisschen … wir wussten ja gar nicht, was auf uns zukommt. Wenn ich gewusst hätte, was der Montag bringt und die nächsten Tage, dann hätte ich wahrscheinlich anders gedacht."

Nico: "Der Montag war wirklich schlimm."

Montag. Ich bin auf der Arbeit, Nico kann zum Glück Homeoffice machen und auf den Elektriker warten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass, wenn ich nach Hause komme, alles wieder funktioniert. Denn der Elektriker kommt ja.

Nico: "Nico: Lösung wird ohne aufstemmen gehen, aber es ist kompliziert … Zu kompliziert zum Schreiben."

Zwei Zählerkästen und jede Menge Durcheinander

Okay, es war wirklich kompliziert: Der Elektriker ist gekommen und hat erst mal alle Sicherungen geprüft. Und dann hat er festgestellt, dass ein paar von den Sicherungen gar nicht zu dem Zählerkasten gehören, den wir eigentlich als unseren kennen. Es musste also noch einen zweiten Zählerkasten geben. Sie gehen in den Keller. Und suchen ein bisschen rum und finden tatsächlich einen zweiten Zählerkasten.

Nico: "Und dann guckt der sich den an und sagt: 'Ja, kein Wunder, dass sie keinen Strom haben in der Küche, der Zählerkasten ist verplombt. Der wurde gesperrt.' Dann weiß ich noch, dass ich ihn angeguckt habe und gefragt habe: 'Wie kann das denn sein? Das ist ja nicht unser Zählerkasten?' Und dann hat er gesagt, 'Na ja, dann müssen sie zwei haben.' Dann habe ich gesagt: 'Das kann eigentlich nicht sein. Wir wohnen hier seit sechs Jahren und da wäre ja wahrscheinlich mal aufgefallen, dass wir zwei Zählerkasten haben.'"

Oder auch nicht! Also erst mal Hausverwaltung angerufen, Stromversorger angerufen. Und dann festgestellt, dass dieser zweite Zählerkasten unserem Nachbarn gehört.

"Ab da wurde es dann relativ kompliziert. Weil offensichtlich einige unserer Küchengeräte sowie unser Warmwasser über den Zählerkasten unseres Nachbarn liefen. Was wir nicht wussten: Warum dieser Zähler jetzt gesperrt wurde?"
Nico findet den Grund für den Stromausfall heraus

Nico: "Ab da wurde es dann relativ kompliziert. Weil offensichtlich einige unserer Küchengeräte sowie unser Warmwasser über den Zählerkasten unseres Nachbarn liefen. Was wir nicht wussten: Warum dieser Zähler jetzt gesperrt wurde?"

Der Nachbar wars

Und der Einzige, der uns das vielleicht sagen kann, ist nicht erreichbar.

Nico: "Die Situation macht mich wahnsinnig. Er hat sein Handy aus. Ohne ihn erreichen wir gar nichts. Fühle mich hilflos."

Nico: "Ich habe alles versucht: klopfen oben, klingeln unten, anrufen, SMS, WhatsApp ..."

Nico: "Und einen Zettel habe ich auch an die Tür geklebt ..."

"Die Situation macht mich wahnsinnig. Er hat sein Handy aus. Ohne ihn erreichen wir gar nichts. Fühle mich hilflos."
Nico erreicht den Nachbarn nicht

Irgendwann hat der dann auch angerufen. Und dann haben wir erfahren, dass der einfach seine Stromrechnung nicht bezahlt hat.

Nico: "Im Endeffekt hat er mir das bestätigt: Sein Stromzähler wurde gesperrt, aber es wäre ja kein Problem, weil er hätte ja Strom."

Nico: "Wenn sein Stromzähler gesperrt ist, er aber noch Strom hat, was hängt denn dann an dem anderen Stromzähler dran?"

Nico: "Dann hat sich für mich erst langsam erschlossen, dass anscheinend die Stromkreise so vertauscht sind, dass Teile unserer Wohnung und Teile von seiner Wohnung auf seinen Stromzähler und anders rum laufen."

Vielleicht muss man eine Sache noch mal erklären: Die Wohnung, in der wir wohnen und die Wohnung, in der unser Nachbar wohnt, die waren früher mal eine große Wohnung. Und, na ja, derjenige, der sich beim Auseinanderlegen um die Elektrik gekümmert hat, muss entweder betrunken gewesen sein oder einen ganz fiesen Humor haben.

Jahrelang haben wir den Strom von unseren Nachbarn gezahlt. Bis auf den Strom für den Herd in der Nachbarwohnung. Und die verschiedenen Mieter, die im Laufe der Jahre in der Nachbarwohnung gewohnt haben, die haben unseren Strom in Bad und Küche gezahlt – außer fürs Licht. Und jahrelang – jahrelang – ist das niemandem aufgefallen! Bis einer seine Stromrechnung nicht mehr bezahlt hat. Wir können nichts dafür, aber es ist auf einmal unser Problem. Und dann ist es noch komplizierter geworden.

Es braucht sechs Schritte zum Entwirren des Durcheinanders

Denn der Stromanbieter unseres Nachbarn das ist ein anderer als der Grundversorger in Köln. Und damit sind wir noch einen Schritt weiter vom Entsperren des Stromzählers entfernt. Also ruft Nico bei dem Stromanbieter an.

Nico: "Ich habe bestimmt eine viertel Stunde gebraucht, um ihn davon zu überzeugen, dass er nicht auflegt."

Das Problem: Wir sind keine Kunden. Deswegen darf uns niemand Auskunft geben. Immerhin: Nico belabert den Mitarbeiter so lange, dass er uns wenigstens sagt, was jetzt passieren muss Schritt für Schritt, damit unser Strom wieder fließt.

"Ich habe bestimmt eine viertel Stunde gebraucht, um ihn davon zu überzeugen, dass er nicht auflegt."
Nico versucht, Informationen von dem Stromanbieter des Nachbars zu bekommen

Schritt eins: Der Nachbar zahlt seine Schulden.

Schritt zwei: Der Betrag geht beim Stromanbieter des Nachbarn ein.

Schritt drei: Der Stromanbieter des Nachbarn informiert den Grundversorger.

Schritt vier: Der Grundversorger veranlasst die Entsperrung.

Schritt fünf: Ein Mitarbeiter des Grundversorgers vereinbart einen Termin zum Entsperren des Stromzählers.

Schritt sechs: Ein Mitarbeiter des Grundversorgers schaltet den Stromzähler physisch frei.

Geschätzte Dauer: Knapp eine Woche, in der ich noch ein paar Mal ins Schwimmbad gehen muss, um Haare zu waschen. Und ganz ehrlich: Bei mir stapeln sich in der Wohnung auch Wäsche. Bis endlich, endlich die erlösende Nachricht kommt.

Nico: "Morgen kommt der Techniker!"

Über eine Woche nachdem unser Strom ausgefallen ist, ist der große Tag gekommen. Ich wache früh auf. Ich bin aufgeregt. Ich habe unsere komplette Haustüre zugepflastert mit Zetteln und Hinweisen für den Mitarbeiter von Rheinenergie: "Bitte hier Klingeln!". Ich pinkle mit offener Badtür, um ja kein Klingeln oder Klopfen zu überhören. Nichts und niemand wird mich davon abhalten heute in meiner Wohnung warm zu duschen! Und schließlich schreibe ich Nico.

Franziska: "Wir haben wieder Strom!"

Und mir wird wieder mal bewusst: Es geht mir und uns sehr, sehr gut. So gut, dass das Schlimmste, was passieren kann, ein Nachbar ist, der seine Stromrechnung nicht bezahlt.