Vor genau einem Jahr begannen die Pegida-Märsche gegen die angebliche Islamisierung Deutschlands. Die fremdenfeindlichen Demonstrationen haben der sächsischen Landeshauptstadt ein schlechtes Image verliehen. Doch ein breites Bündnis will es verbessern.

Menschenmassen, Böllerschüsse, viele Polizisten. Es war eine Stimmung am Montagabend in Dresden wie sonst nur an Sylvester, berichtet DRadio-Wissen-Reporter Thielko Grieß: "Ganz anders als an Sylvester waren die schwarz-rot-goldenen Flaggen und das erleuchtete Kreuz."

Die große Mehrheit schaut zu

Die Pegida-Organisatoren hatten auch den deutsch-türkischen Schriftsteller Akif Pirincci eingeladen. Der Inhalt seiner diffusen rechtspopulistischen Hetzrede veranlasste sogar die Pegida-Demonstranten zu Buh-Rufen. Einige verließen sogar die Veranstaltung.

Es gibt drei Gruppen in Dresden, sagt Eric Hattke, Sprecher des Aktionsbündnisses "Dresden für Alle": Die Unterstützer von "Pegida", die Gegen-Demonstranten und die große Mehrheit: nämlich die, die gar nichts machen.

"Das ist ein Problem in ganz Deutschland. Die Mehrheit schaut zu und entscheidet sich später, auf welcher Seite sie steht. Das ist auch menschlich."
Eric Hattke, Sprecher von "Dresden für Alle"

Es gehe darum, Menschen zu gewinnen, die sich engagieren. Das funktioniere nur mit Projekten, die Spaß machen und Hoffnung bringen. Zum Beispiel mit einem Spendenlauf. Entscheidend sei es, die Leute dazu zu bringen zu verstehen, dass es sie was angeht. Sein Fazit: "Man muss mit gutem Beispiel vorangehen!"

Viele Vereine arbeiteten schon seit Jahren für geflüchtete Menschen. Und diese Leute müssten mehr Anerkennung bekommen, sagt Eric. Er sieht die Gefahr, dass die Medien diese Perspektive zu wenig transportieren: "Man sollte die andere, positive Seite mehr zeigen - also wie Freiwillige beim DRK Säcke schleppen zum Beispiel."

"Ich bekomme - entgegen aller Behauptungen - kein Geld vom Staat, hätte aber nichts dagegen."
Eric Hattke

Um sich für "Dresden für Alle" zu engagieren, hat Eric ein ganzes Jahr lang Freunde, Studium und Familie hinten angestellt. Außerdem setzt er sich massiven Anfeindungen und Bedrohungen aus.