Er hatte den Ruf eines äußerst brutalen und Menschen verachtenden Gestapo-Mannes: Klaus Barbie - der "Schlächter von Lyon". Er schien es zu genießen, seine Opfer mit immer neuen Methoden zu foltern und in den Tod zu schicken. Im April 1944 gab er den Befehl, 44 Waisenkinder ins Vernichtungslager Auschwitz II zu deportieren.

Nachdem die alliierten Truppen Ende 1942 in Nordafrika gelandet waren und die Möglichkeit einer alliierten Invasion an der Mittelmeerküste bestand, besetzte die deutsche Wehrmacht am 11. November 1942 mit dem "Unternehmen Anton" den Süden Frankreichs. Das Vichy-Regime unter Marschall Philippe Pétain protestierte zwar gegen den Einmarsch, konnte aber die Degradierung zu einer Marionettenregierung des "Dritten Reichs" nicht verhindern.

Die Kinder von Izieu

Mit der deutschen Wehrmacht zogen Gestapo und SS in den Süden Frankreichs ein. Klaus Barbie übernahm als Leiter der Abteilung IV die Gestapo in Lyon. Viele der ins Vichy-Frankreich Geflüchteten waren nun vor den Häschern der Nazis nicht mehr sicher. Dazu gehörten auch die jüdischen Kinder eines Waisenhauses, das im 80 Kilometer von Lyon entfernt liegenden Izieu gelegen war. 

Zwischen Mai 1943 und April 1944 hatten die Kinder, deren Eltern von den Nationalsozialisten deportiert worden waren, hier einen Unterschlupf gefunden. Dann aber wurden sie auf Befehl Klaus Barbies in das Vernichtungslager Auschwitz II verschleppt und umgebracht. 

Tod im Gefängnis

Klaus Barbie konnte nach dem Krieg über die "Rattenlinie" nach Bolivien fliehen, wo er als Geschäftsmann und Regierungsberater bis 1982 unbehelligt lebte. Zeitweise war er im Einsatz für den Bundesnachrichtendienst. Nach einem Regierungswechsel in Bolivien wurde er 1983 an Frankreich ausgeliefert und 1987 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. 1991 starb Klaus Barbie in Haft.

Klaus Barbie
Am 11. Mai 1987 begann in Frankreich der Prozess gegen den "Schlächter von Lyon".

Außerdem hört ihr noch in Eine Stunde History:

  • Peter Hammerschmidt über Klaus Barbie, den Schlächter von Lyon, der als "Klaus Altmann" nach dem Krieg in Bolivien eine Karriere als Geschäftsmann und Regierungsberater hinlegte.
  • Der Historiker Gerald Steinacher erläutert die Bedeutung der sog. "Rattenlinie", über die viele NS-Verbrecher nach 1945 fliehen konnten, und der ODESSA - der "Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen".
  • Die Vizepräsidentin des europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg, Angelika Nußberger, schildert die Aufgaben des Gerichtshofs.
  • Deutschlandfunk Nova - Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld über das Vichy-Regime im Süden Frankreichs.

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