El Chapo ist wohl einer der bekanntesten Drogenbosse der Welt. Der Mexikaner heißt mit bürgerlichem Namen Joaquin Guzman Loera und wurde bereits mehrfach verhaftet. Schlagzeilen machte er vor allem mit seinen spektakulären Ausbrüchen.

In den 1970er Jahren steigt Joaquin Guzman Loera alias El Chapo ins Drogengeschäft ein. Er arbeitet sich hoch, wird Chef des mexikanischen Kartells Sinaloa. 1993 wird er das erste Mal festgenommen. Ein paar Jahre später bricht er aus dem Gefängnis aus - versteckt in einem Wäschewagen.

2014 wird El Chapo erneut festgenommen. Er landet im Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano in der Nähe von Mexiko-Stadt - und bricht am 14. August 2015 erneut aus. Die Bilder aus der Überwachungskamera gingen um die Welt: El Chapo läuft in seiner Zelle zwischen Bett und einer Duschecke hin und her, die mit einer Wand abgetrennt ist. Irgendwann verschwindet er hinter dieser Wand - und taucht nicht wieder auf. Er flüchtet durch einen Tunnel.

Extreme Haftbedingungen für Drogenboss El Chapo

2016 wird El Chapo dann erneut in Mexiko festgenommen. Etwas mehr als ein Jahr später erfolgt die Auslieferung an die USA, wo er unter anderem wegen Drogenhandel und Mord angeklagt ist. Seitdem sitzt er in einem Hochsicherheitsgefängnis in Manhattan und wartet auf seinen Prozess - unter extrem harten Bedingungen: 23 Stunden am Tag Einzelhaft. Nur eine Stunde am Tag darf er in einen Fitnessraum.

"Seine Anwälte finden das unmenschlich. Sie sagen, dass El Chapo einsam ist, Stimmen hört und Depressionen bekommt."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die extremen Haftbedingungen sollen allerdings nicht nur einen weiteren Ausbruch verhindern. In den mexikanischen Gefängnissen gelang es El Chapo auch immer wieder, seine Drogengeschäfte fortzuführen. Das soll im US-Gefängnis unbedingt verhindert werden. Deshalb wird der Kontakt zur Außenwelt weitestgehend unterbunden. Die Liste der Anklagepunkte gegen El Chapo ist auch in den USA lang.

"Es gibt 17 Anklagepunkte gegen El Chapo. Drogenschmuggel, Geldwäsche, illegaler Waffengebrauch, da ist eigentlich alles dabei."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Schon eine Verurteilung in einem dieser Punkte würde für eine lebenslange Haftstrafe genügen. Der Druck auf den Drogenboss ist auch deswegen groß. Spannend wird deshalb, ob El Chapo im Laufe des Prozesses Insider-Informationen preisgibt. Vielleicht auch, um bessere Haftbedingungen zu bekommen. 

Das könnte nicht nur andere Drogenbosse in Mexiko in Schwierigkeiten bringen, sondern auch korrupte mexikanische Politiker oder Polizisten. Außerdem interessiert die US-Behörden, wohin El Chapos Geld verschwunden ist. Bis zu 14 Milliarden Dollar soll er mit seinen Drogengeschäften verdient haben - von einem Großteil des Geldes fehlt allerdings jede Spur.

Machtkämpfe im Sinaloa-Kartell nach Festnahme

Trotz der Festnahme von El Chapo: Das Sinaloa-Kartell ist weiterhin sehr mächtig in Mexiko und kontrolliert den Kokainschmuggel im Westen Mexikos in Richtung USA. Außerdem ist das Kartell längst nicht mehr nur im Drogenhandel unterwegs, sondern kassiert auch mit Produktfälschungen, Menschenhandel und Schutzgelderpressung.

Trotzdem hinterlässt die Festnahme von El Chapo und auch seines Nachfolgers eine Lücke im Kartell. Es toben heftige Machtkämpfe, in deren Folge bereits hunderte Menschen umgebracht wurden. Die Querelen im Sinaloa-Kartell macht sich derweil ein anderes Kartell zunutze: Jalisco Nueva Generación ist nach Einschätzungen der Behörden inzwischen zum mächtigsten Verbrechersyndikat Mexikos avanciert.

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