Ein britischer Psychiater rät davon ab, ständig nach Glück zu streben. Er könnte Recht haben, findet unserer Reporterin Rebekka Endler und sie ist nicht allein.

Wir sollten damit aufhören, ständig nach Glück zu streben. Unser Gehirn sei für einen anhaltenden Glückszustand nicht geschaffen, und das ständige Streben danach lenke davon ab, dass es menschlich sei, unglücklich zu sein. Das schreibt der Psychiater Rafael Euba in seinem Essay "Humans aren't designed to be happy – so stop trying" auf dem Wissenschaftsportal "The Conversation". Rafael Euba beschäftigt sich am King's College in London insbesondere mit der Psyche älterer Menschen.

Er verknüpft in seinem Essay psychologische und kulturhistorische Beobachtungen und führt als Begründung seiner These unter anderem an, dass depressive Erkrankungen auf dem langen Weg der Evolution des Menschen nicht verschwunden sind. Grundsätzlich ließen sich im menschlichen Gehirn gegensätzliche Emotionen gleichzeitig und verhältnismäßig unabhängig voneinander aufspüren.

Glück ist Dopamin, kein Zustand

Unsere Reporterin Rebekka Endler ist auf das Essay aufmerksam geworden und hat sich die Sache mit dem Glücklichsein genauer angesehen. Es geht dabei nicht um den glücklichen Zufall, den glücklichen Moment (Englisch: luck), erklärt sie, sondern um einen glücklichen Zustand (Englisch: happiness).

Der Neurowissenschaftler Hennig Beck sagt, dass dieser Glückszustand schlicht über die Zunahme der Dopaminkonzentration in einer bestimmten Hirnregion nachweisbar sei. Glück ist demnach kein Zustand, sondern eine Veränderung in einem Teilbereich des Gehirns.

"Glück erleben wir, wenn der Dopaminspiegel in einer bestimmten Hirnregion ansteigt - und zwar höher, als er vorher war. Dieses bisschen mehr ist das Glück.
Henning Beck, Neurowissenschaftler und Wissensvermittler

Nach diesem dopamininduzierten Glück müssen wir wieder durch ein Tal des Unglücks gehen, um glücklich zu werden, sagt Henning Beck. Glück ist also nicht dauerhaft im Gehirn messbar. Soweit sind sich Rafael Euba und Henning Beck einig. Während Henning Beck allerdings zum Streben nach Glück aufruft, stört sich Rafael Euba hingegen an der Existenz einer "Motivationsindustrie" (positive thinking industry).

"Es ist ist viel wichtiger, glücklich zu werden, als glücklich zu sein. Die Verschaltungen im Gehirn richten sich immer wieder neu darauf ein, dass man sich das Glück erarbeiten muss."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Henning Beck möchte dieses Auf und Ab weiterhin steuern. Maike van den Boom hat eine ähnliche Perspektive aufs Glücklichsein. Sie ist Glückforscherin und Motivationstrainerin. Sie sagt, Menschen wären dann am Glücklichsten, wenn sie sich entwickeln. Wenn wir also nicht nur im Hier und Jetzt leben, sondern für etwas leben, irgendwohin streben. Zu monoton sollte es für ihren Geschmack allerdings auch nicht werden mit der Glücksmotivation.

"Wie macht man Glück? Und Glück hier und Glück da. Das nervt sogar mich manchmal, ehrlich gesagt."
Maike van den Boom, Glücksforscherin und Motivationstrainerin