Klingt nach einem guten Mittel: Fluchen hilft, Emotionen zu regulieren und Informationen ziemlich schnell zu vermitteln. Aber es kommt natürlich auf die richtige Dosis an.

Fluchen hat durchaus positive Effekte. Dabei geht es nicht um lautstarkes Schimpfen oder sogar Beschimpfungen anderer. Sondern eher dieses Fluchen, das ihr mit euch selbst ausmacht, so unser Reporter Sebastian Sonntag. Wenn jemand blöd parkt zum Beispiel. Oder ihr einen wichtigen Termin vergessen habt und dann Schimpfworte raushaut.

Diese Art von Fluchen kann hilfreich sein. Das belegt eine aktuelle Studie aus Großbritannien mit dem Namen "Die Kraft des Fluchens", die auf Science Direct veröffentlicht wurde. Unter anderem hat der Guardian darüber berichtet.

Beim Fluchen wird nicht lange geredet

Dass Fluchen durchaus positiv sein kann, findet auch der Neurowissenschaftler Henning Beck. Das Fluchen helfe zum Beispiel Menschen, sich in Leistungsbereitschaft zu versetzen. Das zeigt sich beim Sport: Fluchen steigert die Muskelkraft. Nicht für immer, aber für den Moment.

Außerdem sind Flüche ein effektives Tool, um Informationen zu übermitteln. Zum Beispiel die Information, dass ihr euch gerade verdammt ärgert. Oder dass euch etwas nervt.

"Der Fluch ist ein effektives Mittel, um Emotionen schnell auszudrücken."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Außerdem hilft Fluchen, die eigenen Emotionen besser zu regulieren. Zum Beispiel, um Schmerzen besser auszuhalten, so Sebastian Sonntag. Das Forscherteam aus Großbritannien konnte zeigen, dass Proband*innen länger ihre Hände in einen Eimer mit Eiswasser halten konnten, wenn sie fluchten.

"Das zeigt, dass die eigene körperliche Kontrolle schon dadurch bewerkstelligt werden kann, in der Art und Weise, wie wir sprechen und wie wir denken", sagt Henning Beck. Der Fluch kann eben helfen, dass ihr euch etwas besser kontrolliert und reguliert.

"Wenn der Fluch so schlecht wäre und gar keinen Vorteil hätte, dann würden wir nicht fluchen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Diese positiven Effekte des Fluchens sollten nicht dazu führen, dass ihr nur noch und bei allen Gelegenheiten am Schimpfen seid. Aber es macht auch nicht gleich einsam. "Fluchen kann soziale Beziehungen stärken und uns authentischer wirken lassen", sagt Sebastian Sonntag.

Fluchen am besten in der Muttersprache

Das zeigt eine Studie, die Textnachrichten mit und ohne Flüche untersucht hat. "Die Nachrichten in denen geflucht wurde, wurden als glaubwürdiger bewertet", so unser Reporter. Wenn Kraftworte benutzt werden, kann es dazu führen, dass Personen als anpackend und auch nahbarer empfunden werden, so Neurowissenschaftler Henning Beck.

Dann bleibt abschließend noch die Frage: Gibt es bessere oder schlechtere Flüche, um die positiven Effekte nutzen zu können? "Die Wirkung vom Fluchen hängt nicht an den Worten, die wir dazu benutzen", sagt Sebastian Sonntag. Entscheidend ist eher, dass ihr beim Fluchen auch wirklich emotional Dampf ablasst. Deshalb ist es auch besser, in der Muttersprache zu fluchen.

  • Moderatorin: Diane Hielscher
  • Gesprächspartner: Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk Nova