Mist, Grünschnitt, Biomüll: Vieles davon liegt brach und könnte zu Biogas weiterverarbeitet werden. Zusammen mit anderen Alternativen könnte Deutschland dadurch in ungefähr fünf bis zehn Jahren unabhängiger von russischen Gaslieferungen werden.

Zurzeit ist Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, in verschiedenen Ländern unterwegs, um Gasreserven zu finden, die Deutschland als Alternative für russisches Gas importieren könnte.

Ein Vorschlag des Fachverbands für Biogas lautet, die Biogas-Produktion in Deutschland in den kommenden fünf bis zehn Jahren zu verdoppeln - und zwar aus Reststoffen wie Biomüll, Grünschnitt und Gülle. Daraus lässt sich Biogas gewinnen, sagt Martin Pehnt vom Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg.

"Wir schätzen, dass wir das. das wir heute an Biogas einsetzen, um 50 Prozent steigern können."
Martin Pehnt, Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg

Viele biologischen Abfallstoffe liegen zurzeit brach, weshalb Martin Pehnt ein großes Potenzial darin sieht, diese Stoffe künftig für die Biogas-Gewinnung zu nutzen.

In Deutschland produziertes Biogas könnte eine Alternative sein, die Teile des Erdgases ersetzt, das Deutschland bisher aus Russland geliefert bekommen hat.

"Vieles davon liegt brach, Grünschnitt beispielsweise, oder auch der Biomüll, der wird kompostiert und nicht vergärt."
Martin Pehnt, Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg

Biogas lässt sich hauptsächlich aus zwei Quellen gewinnen: aus nachwachsenden Rohstoffen oder aus dem, was als Bioabfall sowieso schon vorhanden ist, bisher aber nur wenig genutzt wird.

Nachwachsende Biomasse müsste angebaut werden, das hält Martin Pehnt nicht für ratsam, weil man dafür extra Anbauflächen bräuchte und Düngemittel und Pestizide zum Einsatz kommen würden. Dadurch würde auch das Grundwasser zusätzlich belastet werden.

Ökologischh mehrfacher Nutzen: Biologische Abfallstoff zu Biogas verarbeiten

Die nachhaltigere Alternative wäre, biologische Abfallstoffe zu nutzen. Zum einen, weil man dadurch ein wertvolles Gas gewinnt und auch Treibhausgase einsparen kann, die beispielsweise bei der Lagerung von Gülle entstehen.

Dafür müssten weitere Biogas-Anlagen aufgebaut werden, sagt Martin Pehnt. Zudem bestehe auch die Möglichkeit, die bestehenden Anlagen entsprechend umzurüsten. Ein Teil des Biogases könnte dann in das bestehende Erdgas-Netz eingespeist werden, so der Experte.

"Die Zeitachse von fünf Jahren halte ich für realistisch und machbar."
Martin Pehnt, Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg

Das in Deutschland produzierte Biogas könnte nur einen kleinen Teil dessen ersetzen, was wir bisher aus Russland importieren: nur rund zehn Prozent. Trotz der vergleichsweise geringen Menge sieht der Energieexperte diese Option als wichtigen Beitrag bei der Suche nach Alternativen zu russischem Gas an.