Elektroautos verbrauchen Strom. Wenn sie rumstehen, könnten sie aber auch Strom zwischenspeichern und ins Netz einspeisen. Warum passiert das bislang nicht? Immerhin braucht es für die Energiewende enorme Speicherkapazitäten.

Bis 2030 sollen in Deutschland 15 Millionen Elektroautos unterwegs sein. Das bedeutet Batteriekapazitäten von mindestens 500 Millionen Kilowattstunden. Und die entsprechen aktuell einer Energieleistung, die 15 bis 20 Atomkraftwerke an einem Tag produzieren.

Zwischenspeicher für erneuerbare Energien sind nötig

E-Autos produzieren natürlich selbst keine Energie, sie verbrauchen sie. Aber um die Energiewende zu schaffen, braucht es Kapazitäten, um erneuerbare Energien zwischen zu speichern, wenn die Sonne scheint und der Wind weht und überflüssige Energie produziert wird.

"Wir werden in Zukunft große Stromspeicher brauchen."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Als Stromspeicher bieten sich Pumpspeicherkraftwerke an. "Die gibt es schon sehr lange", sagt unser Netzreporter Konstantin Köhler. Denkbar sind auch turnhallengroße Batterie-Anlagen, wie es sie zum Beispiel in Australien mittlerweile gibt. Oder aber auch Elektroautos.

Millionen von Elektroautos hätten garantiert das Potenzial, als ein riesiger Speicher zu funktionieren, so Konstantin. Sie könnten helfen, Stromflauten und Stromschwankungen im Stromnetz abzufedern.

"Warum nicht die Batterien in den Elektroautos als großen Stromspeicher nutzen?"
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Um als Stromspeicher zu funktionieren, müssen E-Autos dauerhaft am Stromnetz hängen, also mit einer Ladesäule verbunden sein. Für Leute, die zu Hause eine Garage mit eigener Ladestation haben, ist das kein Problem. Schwieriger ist es, wenn öffentliche Ladepunkte dafür genutzt werden. Denn die sind dann dauerhaft belegt. Es bräuchte also mehr Ladepunkte.

Außerdem müsste es möglich sein, dass die Autobesitzerinnen und -besitzer festlegen können, wie stark der Ladezustand sinken darf oder wann die Batterie für die nächste Fahrt wieder rechtzeitig geladen wird. "Aber bei den Elektro-Autos der Zukunft wird das nicht so ein großes Problem werden", sagt Konstantin. Denn die Reichweiten werden viel größer sein und für durchschnittliche Strecken leicht ausreichen.

Die Automobilbranche muss die E-Autos aufrüsten

Die Idee, E-Autos als Speicher zu nutzen, ist nicht neu. Aber die Automobilindustrie muss mitziehen.

E-Autos müssen so umgerüstet werden, dass sie Strom nicht nur aus dem Netz ziehen, sondern eben auch einspeisen können. Aber vielleicht bewegt sich in der Branche langsam was. Volkswagen zum Beispiel rüstet die neuen Elektroautos nun so aus, dass sie auch Strom ins Netz einspeisen können. "Generell gibt es aber noch viele offene Fragen", sagt Konstantin. "Sowohl technisch als auch rechtlich." Aber die Idee sickert langsam durch und die Branche könnte das Umrüsten auch als Verkaufsargument nutzen.

Denn Autobesitzerinnen und -besitzer können sich Geld dazu verdienen, wenn ihre Elektroautos nicht nur Strom ziehen, sondern auch abgeben können. Sie erhalten dann eine Art Servicegebühr, dass sie Stromspeicher anbieten. Um wie viel Geld es geht, ist noch unklar. "Aber ein paar Hundert Euro im Jahr könnten es sein", sagt Konstantin. Außerdem lassen sich schon jetzt Elektroautos, die umgerüstet sind, prinzipiell auch als private Speicher zu Hause nutzen. "Wenn man zum Beispiel den Strom aus der eigenen Fotovoltaik-Anlage speichern will", sagt Konstantin.
  • Kurz und Heute
  • Moderatorin:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova