Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hält das Gejammer über die Kosten des Kohleausstiegs für unbegründet. In einer Studie werden die positiven Effekte in Geldwert umgerechnet. Unterm Strich bleibt demnach ein Gewinn.

Der Ausstieg aus Kohle als Energieträger ist in Deutschland für 2038 geplant. Das hat die Kohlekommission der Bundesregierung empfohlen. Umweltschützenden ist das zu spät. Aus Sicht der Energieindustrie heißt es dagegen: Ein Kohleausstieg koste viel Geld und wenn, dann müsse er möglichst langsam erfolgen.

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hat eine globale Hochrechnung veröffentlicht, derzufolge sich aus globaler Sicht mit einem Kohleausstieg unterm Strich weltweit Geld sparen lasse. Die Ergebnisse der Studie hat die Zeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht. Der Volltext ist nicht frei zugänglich.
Beteiligt waren auch Forschende des Schweizer Paul Scherrer Instituts in Villigen und des Joint Research Centers der Europäischen Kommission im italienischen Ispra.

Gesundheitliche Folgekosten

Bei der Rechnung stellen die Forschenden zwei Arten von Kosten gegenüber: Einerseits Kosten, die bei der Kohleverstromung anfallen – vor allem Umwelt- und Gesundheitskosten. Das sind Kosten, die in den Gesundheitssystemen beispielsweise wegen der Behandlung bestimmter Atemwegserkrankungen anfallen. Auch Kosten zur Renaturierung gehören dazu. In Deutschland werden die großen Braunkohleabbaugebiete wie Garzweiler und das Leipziger Revier renaturiert.

"Die Löcher müssen anschließend wieder in Ökosysteme umgewandelt werden und das ist teuer."
Kathrin Sielker, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Auf der anderen Seite stehen Kosten, die ein Ausstieg aus der Kohle mit sich bringt: Staaten müssen dazu ihre Energiesektoren umbauen und zum Beispiel in Wasserkraftwerke, Solaranlagen oder Windanlagen investieren, in Speichermöglichkeiten und neue Stromtrassen.

Volkswirtschaftliche Effekte

Außerdem gehen die Forschenden in ihrer Simulation auch von einem geringeren Wirtschaftswachstum aus, wenn Staaten aus der Kohle aussteigen. Die Forschenden nehmen außerdem an, dass sich der Arbeitsmarkt verändert. Die Arbeitnehmenden aus der Kohleindustrie brauchen andere Jobs, Weiterbildungen, Abfindungen oder andere Arten von Förderungen.

Die Forschenden gehen davon aus, dass sich im Jahr 2050 durch den Ausstieg aus der Kohleverstromung 370 Dollar pro Person einsparen lassen. Das entspricht in dem Modell 1,5 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung im Jahr 2050. Hinzu kommen positive Effekte, wie eine bessere Luftqualität und eine langsamere Erderwärmung.

″Die Verbrennung von Kohle macht weltweit ein Drittel des Treibhausgases CO2, aus, das das Klima erhitzt.″
Kathrin Sielker, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion