Anfang des 20. Jahrhunderts suchten Wissenschaftler nach einem chemischen Verfahren, um Düngemittel herzustellen. Mit dieser Technik ließ sich aber nicht nur Dünger, sondern auch Sprengstoff industriell erzeugen - mit verheerenden Folgen.

Seit einigen Jahren schon war bekannt, dass der natürliche Vorrat des Phosphats Guano oder Salpetersäure zur Produktion von Stickstoffdünger nicht mehr ausreichen würden, um die rasant wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. 

Die einzige Lösung dieses Problems, sagte ein britischer Wissenschaftler 1898, sei die chemische Fixierung des in der Luft vorhandenen Stickstoffs - man müsse also "Brot aus der Luft" gewinnen. 

Vor dem Hungertod gerettet, durch Sprengstoff getötet

Diese Erkenntnis war der Startschuss für eine weltweite Suche nach einem chemischen Verfahren, um Düngemittel herzustellen. Fritz Haber und Carl Bosch gewannen dieses wissenschaftliche Rennen und nannten ihr Verfahren das Haber-Bosch-Verfahren

"Fritz Haber gewinnt das Wettrennen. Es ist ein ganz knappes und erbittert ausgetragenes Wettrennen, denn er ist mit mehreren Größen seiner Zeit in den Ring gestiegen. Die haben gegenseitig einiges ausgeteilt und auch einkassiert."
Margit Szöllösi-Janze, Autorin einer Fritz-Haber-Biografie

Aber dieses Verfahren hatte eine zweite Seite. Denn damit ließ sich nicht nur Dünger, sondern auch Sprengstoff industriell erzeugen. Fritz Haber hatte ein Verfahren entwickelt, mit dem zwar Millionen Menschen vor dem Hungertod bewahrt werden konnten, gleichzeitig aber viele Millionen durch die verheerende Wirkung von Sprengstoff ums Leben kommen sollten.  

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Margit Szöllösi-Janze von der LMU in München hat eine Biographie über Fritz Haber geschrieben und beschreibt den Menschen, der mit der Entdeckung des Haber-Bosch-Verfahrens die Herstellung von Ammoniak und damit auch von Sprengstoff ermöglichte.
  • Holger Afflerbach, Historiker aus Leeds, hat sich mit dem Ersten Weltkrieg wissenschaftlich beschäftigt und die verheerende Wirkung des erstmals in großem Stil verwendeten Sprengstoffs untersucht. 
  • Carl-Friedrich Gethmann ist Philosophieprofessor an der Universität Siegen und erläutert die Verantwortung der Wissenschaftler für die Verwendung ihrer Forschungsergebnisse. 
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld berichtet von den traumatischen Erfahrungen, die Millionen Soldaten durch dauerhaften Beschuss mit Granaten und Maschinengewehrsalven im Ersten Weltkrieg erlitten haben.

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