Mindfulness verändert unser Gehirn positiv – das ist wissenschaftlich bewiesen. Doch wie sollen wir zwischen drei Deadlines, zwei Treffen und der Arbeit am Schreibtisch Zeit für meditative Übungen finden? Das hört ihr in der Ab 21.

Wenn Susan Fengler sich früher in ihren Job reingekniet hat, dann hat sie alles um sich herum vergessen: "Ich habe festgestellt, dass ich, wenn ich in meinem Arbeitsflow bin, komplett in einen Tunnel verfalle", beschreibt sie das Gefühl, "Ich habe mir keine Pausen gegönnt."

"Der erste Schritt ist auf jeden Fall, sich Pausen zu schaffen."
Susan Fengler, Bloggerin

Das Gefühl, nach der Arbeit komplett platt zu sein, wollte Susan irgendwann verändern. Wie die Bloggerin ihren Alltag und ihr Internetleben Schritt für Schritt umgestaltet hat, um achtsamer zu leben, erfahrt ihr im Podcast.

Sich Zeit fürs Ein- und Ausatmen nehmen. Sich des Zustands vom eigenen Körper ganz bewusst werden. Das sind Praktiken der "Mindfulness-Based Stress Reduction", kurz MBSR, wobei es sehr viel um Wahrnehmung statt Entspannung geht. Achtsamkeitstrainer Florian Seidl bietet MBSR-Seminare an einer Uni an und sagt: Achtsamkeitstraining kann auch mühsam sein.

Achtsamkeit: Seit Jahren ein Hype

Martin Steca hilft Unternehmen zu mehr Mindfulness und hat unter anderem in einem großen Autokonzern Meditationsräume eingeführt. Die sind aber nicht zwingend für Achtsamkeit nötig, so der Trainer: "Wenn die Achtsamkeitsmuskulatur eine gewisse Stärke bekommen hat, dann kann ich das immer und überall praktizieren."

Fakten zur Achtsamkeit

  • Um Achtsamkeit einzuhalten, ist es wichtig, sich überhaupt bewusst zu sein, dass Stress ansteckend ist. Das haben australische Forschende herausgefunden. Konkret: Der Stress aus der Arbeit kann sich ganz leicht auf den Partner oder die Partnerin zuhause übertragen.
  • MBSR wurde in den späten 1970er Jahren durch den Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn begründet. Inzwischen gibt es am Gründungsort, der University of Massachusetts, einen Center for Mindfulness.
  • Forschende an der Universität Gießen haben die Wirkung vom achtsamen Meditieren am Gehirn untersucht und festgestellt, dass dabei der Mandelkern, wo unser Angstzentrum sitzt, kleiner wird.
  • Achtsamkeit soll auch unser Einsamkeits-Gefühl reduzieren. Das haben Forschende an der Uni Pittsburgh herausgefunden, indem sie Menschen, die sich selbst als einsam beschreiben, jeden Tag ein zwanzigminütiges Achtsamkeitstraining machen ließen. Nach einigen Wochen hatte sich bei 22 Prozent der Probanden das Einsamkeitsgefühl reduziert.
  • Mit der Mindfulness übertreiben sollte man trotzdem nicht, meinen Forschende – es könnten potenzielle negative moralische Konsequenzen eintreten: Bei einem Experiment an der Uni Kassel hatte sich das Moralverständnis von Probanden gegenüber Tierleid nach einer Achtsamkeitsübung geändert. Weniger Menschen hatten ein schlechtes Gewissen.