Im neuen Dokumentarfilm von Joscha Bongard geht es vordergründig um "Pornfluencer". Im Interview erzählt er, was der Film eigentlich enthüllt hat.

In der Pornofilm-Szene verbreitet sich seit Jahren ein Trend: Couple-Porn. Das sind private Sexfilme vermeintlich echter Pärchen. Die zeigen sich nicht nur auf Porno-Websites, sondern oft – entschärft – auch auf allen Social Media Kanälen. Über ein solches Paar hat Joscha Bongard die Doku "Pornfluencer" gedreht, die in dieser Woche startet. Der Filmemacher ist in dieser Ausgabe eine Stunde Film einer unserer Gäste.

Er ist 21, sie erst 18, als sie sich entscheiden, sich beim Sex zu filmen. Die Privat-Pornos stellen sie zum Kauf ins Internet. Parallel präsentiert sich das Paar auf Instagram und Tiktok als ganz normales, nahbares, junges Pärchen: charmant, liebevoll, Typ "Couple von Nebenan".

Der Effekt: auf diese Weise kann ein sogenanntes Couple-Porn-Paar jugendfrei und sehr zielgruppengesteuert für ihr Pornogeschäft werben. Das passiert derzeit, ohne gleichzeitig gegen die Auflagen der Social-Media-Plattform-Betreiber zu verstoßen. Sie nutzen Fotos und Storys zum Teasen, zum Rüberziehen auf die Adult-Content-Seiten, auf denen es dann die pseudo-privaten Inhalte ohne Klamotten und in Action gibt.

Doku über ein Paar, das offenbar mehr Paarsein inszeniert

Was dahinter steckt, wie ein solches Paar organisiert und umsetzt, was es da tut, wollte der junge Filmemacher Joscha Bongard (26) herausfinden. Er schrieb eines der Paare an und wurde von ihnen nach Zypern in ihr "Arbeitshaus" eingeladen. Dort durfte Joscha sowohl Fragen stellen, als auch bei der Arbeit zusehen.

Herausgekommen ist eine packende Doku über ein Paar, das offenbar mehr Paarsein inszeniert und vorgibt, als es letztendlich ist. Angefangen bei seinem offenen Geständnis aus der Pick-up-Szene (Anmerkung: Darunter versteht man ein fragwürdiges Instrument der Verführung) zu kommen, bis hin zu ihrer Art, immer allem zuzustimmen, was er sagt.

Noch mehr Liebe und Sex

"Pornfluencer" verurteilt nicht und hebt keinen Moralzeigefinger. Der Film entlarvt durch bloßes Nicht-Wegschauen, wenn es wehtut. Häufig gibt es eine gedrückte Pausetaste im visuellen Screenmovie-Ambiente. In diesen Pausen wird das Hauptfilm-Vollbild klein geklickt und zu den Movie-Kacheln mit Expert*innen geswitcht. Die Expert*innen erklären und analysieren dann die genannten Fachausdrücke und Verhaltensweisen.

Wir bleiben beim Thema, wenn wir uns außerdem die Dokumentation "Penissimo" auf Arte anschauen. Außerdem nehmen wir euch in "Meine Stunden mit Leo" mit ins Kino. In diesem Film versucht Emma Thompson als Frau in den 50ern ihr bisher nur wenig bis gar nicht stattgefundenes Liebesleben nachzuholen. Zusätzlich reichen wir euch das Interview von Anna Wollner mit Annika Decker nach. Es geht um Annika Deckers umstrittenen neuen Kinofilm "Liebesdings".