Total müde, aber noch arbeiten müssen. Diese Woche haben das einige Politiker gemacht: Es gab Marathon-Verhandlungen zu Griechenland und Iran. Aber ist das eigentlich gut: übermüdet Entscheidungen treffen? Jan Häusser setzt auf ausreichend Schlaf.

Schlafmangel ist keine schöne Sache. Das steht fest. Aber wie wirkt sich Müdigkeit auf Gruppen aus, die gemeinsam zu Entscheidungen kommen müssen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Sozialpsychologe Jan Häusser.

Bei Schlafmangel lassen Aufmerksamkeit und Konzentration nach. Das ist besonders schlimm bei Ärzten oder Piloten, wenn sie im Job sind. Bei Politiker-Runden ist es nicht ganz so dramatisch. Denn schnelle Reaktionszeiten sind nicht das Wichtigste. Ein Problem könnte eher das soziale Faulenzen sein. Denn wenn man müde ist, klinkt man sich gerne mal aus und lässt die anderen machen, so Jan. Gute Ideen oder wichtige Informationen gehen dann vielleicht verloren.

Müde Menschen neigen aber auch zu mehr Impulsivität. Risiken nehmen sie eher in Kauf als ausgeschlafene Entscheider. Je nach Situation kann das schlecht sein, muss aber nicht.

"Wenn es nicht wirklich einen guten Grund gibt, sollte man auf Schlafmangel bei Entscheidungen verzichten."

Fest steht: Es ist auf jeden Fall besser, ausgeschlafen Entscheidungen zu treffen. Das ist nicht immer möglich, wenn Zeitdruck herrscht. Aber manchmal, sagt Jan, werde die Nacht durchverhandelt ohne Notwendigkeit. "Hier geht es auch um Signale der Politiker an die Wähler: Wir strengen uns für euch an." Dann wünschen wir uns doch lieber Anstrengungen im wachen Zustand.

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