Vor über zehn Jahren haben Forscher das menschliche Genom entschlüsselt. Doch die 22.000 Gene, die sie entdeckt haben, reichten nicht aus, um alle genetischen Phänomene zu erklären. Jetzt wurde eine Landkarte des Epigenoms vorgestellt – der Steuerinstanz vor den Genen.

Vor über zehn Jahren wurde das menschliche Genom entschlüsselt. Wissenschaftler sind somit in der Lage, Gene zu lesen und verstehen. Dadurch konnten schon viele Fragen beantworten werden. Fettleibigkeit und Suchtveranlagung können beispielsweise in den Genen verankert sein und somit auch vererbt werden. Aber die Forschung zeigte, dass sich genetische Veranlagungen durch Umwelteinflüsse auch verändern können. Wissenschaftler vermuteten, dass eine Steuerungsinstanz vorhanden ist, die die Gene kontrolliert.

"Bei der Entschlüsselung des menschlichen Genoms hoffte man darauf 100.000 Gene zu finden und damit alles erklären zu können. Es waren nur 22.000 und das ist schon schockierend, wenn man bedenkt, dass eine Maus 20.000 Gene hat."

Umwelteinflüsse wirken sich auf das Epigenom aus

Auf der Suche nach dem Steuerelement entdeckten sie das Epigenom. Dabei handelt es sich um chemische Anhängsel, sogenannte Methylgruppen, die an die DNA angeheftet sind. Die Methylierung verändert die Aktivität der Gene. Sie entscheidet, ob ein Gen überhaupt seine Wirkung entfalten kann. In diesem Sinne fungiert das Epigenom als An- und Ausschalter. Veränderungen des Epigenoms können wiederum durch Umwelteinflüsse ausgelöst werden, wie Bewegung, Stress und Ernährung.

"Wenn ich in mir das Gene habe, dass ich relativ dick werden könnte, dann passiert das nicht zwangsläufig. Wenn aber die Außenbedingung plötzlich dafür sorgen, dass dieses Gen aktiv wird - weil ich zu viel esse oder mich zu wenig bewege - in dem Moment ist das Epigenom aktiv."

Das Epigenom aktiviert und deaktiviert Gene