Auschwitz ist nicht nur ein bedeutsamer Ort, auch ein politisierter Ort. Das sagt die Historikerin Imke Hansen. Sie forscht seit Jahren zu dem Vernichtungslager und auch zur Geschichte des Erinnerns.

Imke Hansen, Politologin und Historikern, forscht seit vielen Jahren zu Auschwitz-Birkenau. Das Vernichtungslager wurde vor 70 Jahren, am 27. Januar 1945, von der Roten Armee befreit. Dieser Tag ist heute nicht nur der Gedenktag an die Befreiung, sondern auch Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Auschwitz im Süden des damals besetzten Polen war das größte der deutschen Vernichtungslager. Über eine Million Menschen wurden dort umgebracht. In dem Lager waren Juden inhaftiert, ebenso polnische politische Häftlinge.

Nach der Befreiung begannen zunächst die politischen Häftlinge aus Polen und ihre Angehörigen, vor Ort eine Gedenkstätte aufzubauen. Diese war zunächst stark von ihrer Perspektive auf das Vernichtungslager geprägt. 1947 wurde Kritik seitens jüdischer Organisationen laut. Auch sie wollten "ihren" Platz in der Gedenkstätte. Sie wollten, dass auch die Vernichtung der Juden in Auschwitz-Birkenau Teil der Erinnerung und des Gedenkens wird.

"Für viele Menschen ist Auschwitz-Birkenau ein bedeutender Ort. Und gleichzeitig ist der Ort ein hoch politisierter."

Heute ist Auschwitz-Birkenau vor allem eine jüdische Gedenkstätte. Seit den 1980er-Jahren sind in der Ausstellung auch Massen an Schuhen, Brillen und Zahnbürsten der Opfer des Vernichtungslagers zu sehen. Diese persönlichen Dinge wurden den Häftlingen nach ihrer Ankunft im Vernichtungslager abgenommen. Die Exponate stehen für alle Opfer. Dennoch gibt es bis heute, auch in Auschwitz-Birkenau, Auseinandersetzungen über das richtige Erinnern.

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