Die Grippewelle hat in vielen Regionen gerade einen Höhepunkt erreicht. Aber auch wenn euch "nur" eine ordentliche Erkältung plagt, kann einen das ein paar Tage aus der Bahn werfen. Manchmal ist Bettruhe wirklich heilsam, in anderen Fällen raten Ärzte inzwischen aber eher: Raus gehen und aktiv sein.

Strenge Bettruhe oder lieber aktiv bleiben bei einer Erkältung? Vor 100 Jahren glaubte die Medizin noch fest an die Bettruhe: Ärzte verordneten selbst bei psychischen Krankheiten schon mal zwei Monate reines Im-Bett-Liegen. Heute weiß man, dass eine relativ lange und strenge Bettruhe, eher schadet als hilft.

"Ich bin da ganz schrecklich, ich komm aus meinem Bett dann gar nicht mehr raus."
Sebastian, 26 Jahre alt, Student

Annette Becker, Allgemeinmedizinerin und Professorin an der Uniklinik Marburg, verordnet fast nie strenge Bettruhe - höchstens kurz nach einem Herzinfarkt oder bei instabilen Knochenbrüchen. Bettruhe mit gelegentlichem Aufstehen, um zum Klo zu gehen, sich zu duschen oder sich einen Tee zu kochen, kann bei einer schweren Erkältung oder einer Grippe schon heilsam sein. Denn nur so kommt der Kreislauf auch wieder in Schwung.

"Es hängt von meinem Krankheitsgefühl ab. Wenn ich stark Fieber habe und mich wirklich ausgeknockt fühle, dann macht es wahrscheinlich Sinn, eine Weile zu schlafen und Ruhe zu suchen, aber sobald ich kann, sollte ich mich durchaus in der Wohnung bewegen und ich darf auch vor die Tür gehen."
Annette Becker, Allgemeinmedizinerin und Professorin an der Uniklinik Marburg

Zu langes Rumliegen kann sogar gefährlich werden: Im Liegen wird der Körper nicht so gut durchblutet, wodurch auch wichtige Organe, wie Gehirn oder Lunge, weniger Blut abbekommen. Wer dann mal kurz aufstehen will, dem wird schneller schwindelig. Außerdem bauen die Muskeln ab. Und das flache Atmen im Liegen führt dazu, dass die Lunge nicht so gut durchlüftet wird. Und das erhöht wiederum die Gefahr für Infekte.

"Das, was wir am meisten befürchten, ist die Thrombose - das heißt, dass sich ein Blutpfropf im Bein entwickelt und zu einer Gefäßverstopfung im Bein führt."
Annette Becker, Allgemeinmedizinerin und Professorin an der Uniklinik Marburg

Ein bisschen Bewegung schadet nicht - je nach Krankheit

Der Notfallmediziner Johannes Wimmer sagt zum Beispiel, dass es bei Erkältungen, Halsschmerzen oder Schnupfen helfen kann, wenn wir an die frische Luft gehen, uns draußen bewegen und mal so richtig durchpusten lassen. Bei einer Grippe oder bei Krankheiten, die mit Schwindel und Herzflimmern einhergehen, sollten wir auf gar keinen Fall Sport machen.

"Dann lieber auch erst mal eins, zwei Tage zu Hause bleiben, bevor man dann meint, man müsste durch den ganzen Park laufen."
Johannes Wimmer, Notfallmediziner

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