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Bei Sportwetten gewinnen in erster Linie die Anbieter. Gerade im Profi-Fußball wird massiv dafür geworden. Kritiker befürchten die Zunahme der Spielsucht.

An vielen Stellen ist inzwischen Werbung für Sportwetten zu sehen, zum Beispiel auf Banden in Fußballstadien, im Netz und Zeitungen. Wettbüros sind in vielen Städten in Deutschland in zentralen Lagen vertreten. Fast jeder Verein der Fußball-Bundesliga, die Deutsche Fußball-Liga und der Deutsche Fußball-Bund werben in irgendeiner Form für Anbieter von Sportwetten.

Der Wettanbieter Tipico wird demnächst zudem offizieller Sponsor der ARD-Sportschau. Die ARD begründet das mit der veränderten rechtlichen Situation, nach der Sportwetten inzwischen erlaubt sind. Außerdem ist Tipico ein Premium-Partner der Fußball-Bundesliga. Deshalb hätte der Wettanbieter ein Vorzugsrecht bezüglich des Sportschau-Sponsorings, dem könne sich die ARD nicht entziehen.

"Menschen, die sich intensiv mit Sport beschäftigen, glauben, sie könnten ihr Wissen nutzen, um damit Geld zu machen."
Philipp Eckstein, Korrespondent im ARD Hauptstadtstudio

Experten zum Thema Suchtforscher kritisieren das: Würde an vielen prominenten Stellen Werbung für Sportwetten zu sehen sein, entstehe der Eindruck, es handele sich um eine normale Freizeitaktivität. Tobias Hayer, Experte für problematisches Glücksspielverhalten an der Universität Bremen, sagt: "Bei Online-Live-Wetten gehen wir von einer erhöhten Suchtgefahr aus als im Offline-Bereich."

Sportwetten haben im Vergleich zu einem Glücksspielautomaten zudem die Besonderheit, dass sie den Eindruck erwecken können, durch sie bei vermeintlich hoher Sport-Expertise leichter zu Geld zu kommen. Wer von sich denkt, sich besonders gut zum Beispiel mit Fußball auszukennen, könnte davon ausgehen, deutlich höhere Chancen auf den Gewinn zu haben als solche, die sich nicht auskennen - was aber nicht der Fall ist. Auch dieses Phänomen könnte das Risiko steigern, eine Spielsucht zu fördern.

Vorwurf: Werbung für das eigene Wettangebot

Ein prominenter Kritiker der Liberalisierung der Sportwetten ist der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer. Er sagt, die Anbieter der Sportwetten seien mitverantwortlich für Spielsucht, dementsprechend könnte eine massive Werbung dafür auch ein Suchtverhalten fördern.

Besonders in der Kritik von Ulrich Mäurer steht aktuell die Bild-Zeitung und der Axel-Springer-Verlag. Die Bild-Zeitung betreibt gemeinsam mit einem Glücksspielunternehmen ein Sportwetten-Angebot. Der Vorwurf von Ulrich Mäurer: In der Zeitung werde wohlwollend über Sportwetten berichtet. Das sei faktisch Werbung für das eigene Wettangebot. Die Bild-Zeitung würde die Leser damit dem Risiko der Spielsucht aussetzen.

"Aus Sicht von Suchtforscherinnen und Suchtforschern wird damit der Eindruck vermittelt, Sportwetten seien ein ganz normales Hobby, eine ganz normale Freizeitaktivität."
Philipp Eckstein, Korrespondent im ARD Hauptstadtstudio

Mäurer hat sich an den Presserat gewandt, um darauf hinzuweisen. Er schlägt vor, den Pressekodex zu erweitern und auf positive Berichte über Sportwetten in Zukunft zu verzichten.

Die Bild-Zeitung weist die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher sagte, es würde verantwortungsvoll berichtet. In den redaktionellen Beiträgen würde zudem auf die Risiken von Glücksspiel hingewiesen. Auch Hilfsangebote für Spielsüchtige würden erwähnt.

Dass die Bundesländer, die für den Glücksspielstaatsvertrag verantwortlich sind, an den aktuellen Regeln etwas ändern, gilt als unwahrscheinlich. Sie sind sich beim Thema nicht einig.