Unser Reporter Sven Kästner hat sich angeschaut, wie sich der Markt für Produkte ohne Gluten oder ohne Laktose in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

Der Ofen piept, ein Blech frischer Brötchen ist gerade fertig. Dunkle Kruste, darauf helle Sesamkörner: Von außen sieht man diesen Schrippen nicht an, dass sie ohne Weizenmehl gebacken wurden. Erst vor wenigen Wochen hat Berlins erste gluten- und laktosefreie Bäckerei eröffnet. Für Menschen mit Zöliakie sind solche Produkte unabdingbar, für alle anderen sind sie einfach nur teurer als normales Brot oder Kuchen.

"Bei uns ist alles komplett glutenfrei. Und bis auf die Brownies und die kleinen Törtchen, die wir haben, ist auch alles vegan."
Friedrich von Gilsa, Inhaber der gluten- und laktosefreien Bäckerei

Beim Blick in einen Berliner Supermarkt zeigen sich absurde Marketingblüten. Sogar eine Schinkenpackung mit dick gedrucktem Hinweis auf Glutenfreiheit findet sich hier. Eine Lüge ist das nicht, nur enthält Fleisch von Natur aus kein Getreide. Groß ist auch die Palette an laktosefreien Produkten. Nach Schätzungen können 15 bis 20 Prozent der Deutschen Milchzucker nicht verdauen – für sie ist das Angebot gut. Für alle anderen aber gilt auch hier: Diese Lebensmittel bringen keine Vorteile.

"Die Lebensmittelhersteller suchen sich ja auch immer wieder neue Nischen."
Jessica Fischer, Ernährungsberaterin der Berliner Verbraucherzentrale

Ein konkretes Beispiel ist der Joghurt. Ein Becher herkömmlicher Naturjoghurt kostet 79 Cent – der Preis für die gleiche Menge der laktosefreien Variante ist 1,79 Euro. Bei Milch, Schmand oder Frischkäse ist der Preisunterschied ebenfalls deutlich. Die Gewinnmargen in der Lebensmittelbranche sind niedrig, der Preiskampf hart. Verbraucherschützer beurteilen die derzeitige Welle der Frei-von-irgendwas-Produkte deshalb auch als Trend, um höhere Preise zu erzielen.