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Besonders eiweißhaltige Lebensmittel liegen im Trend – Stichwort Low Carb. Sie sind aber teurer als normale Produkte und wirklich umsetzen lassen sich diese Eiweißmengen in der Regel nicht. Eine Ernährungswissenschaftlerin erklärt, warum Protein-Produkte für sie nutzlos sind.

"Protein+", "Extra-Protein" oder "besonders eiweißreich" – im Supermarkt gibt es eine Reihe von Produkten, die mit Eiweiß angereichert sind und besonders beworben werden. Die Palette reicht von Pudding, Schokoaufstrich über Wurst bis hin zum Brot.

Mehr Eiweiß, mehr Kalorien: ein sogenanntes Eiweißbrot
© imago images | Chromorange

Damit bedient die Ernährungsmittelindustrie den aktuellen Low-Carb-Ernährungstrend: wenig Kohlenhydrate, viel Eiweiß, weil Eiweiß zum Muskelaufbau nötig ist und als gesund gilt. So wird es uns zumindest verkauft.

Teurer als Normalprodukte

Wie ein proteinreiches Produkt beworben werden darf, regelt eine EU-Richtlinie. Ihr zufolge haben Lebensmittel einen hohen Proteingehalt, wenn Eiweiß mindestens 20 Prozent ihres Brennwerts ausmacht. Die Stiftung Warentest hat kürzlich 13 Produkte überprüft. Alle getesteten Produkte enthielten mindestens 20 Prozent Eiweiß. Sie sind in der Regel teurer als vergleichbare Produkte.

"Ein Protein-Pudding ist zum Beispiel 30 Prozent teuer als der normale Pudding derselben Firma. Also da zahlt man drauf."
Teresa Nehm, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Manche Puddingsorten waren auch kalorienärmer als vergleichbare Standardprodukte. Das liegt aber nicht am Eiweiß. In diesen Fällen wurde Zucker teilweise durch Süßstoff ersetzt. Eiweißbrot hingegen hat mehr Kalorien als Vollkornbrot, weil es hauptsächlich aus Saat besteht: Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Sesam – und diese Saaten sind recht fettig und damit auch kalorienhaltiger.

Fertigprodukte schlechter verwertbar

Die Ernährungswissenschaftlerin Dagmar von Cramm rät generell davon ab, Fertiglebensmittel zu kaufen und zu essen. Bei einer ausgewogenen Ernährung, sei ausreichend für Eiweiß gesorgt. In Deutschland werde ohnehin schon sehr eiweißreich gesessen. Sie findet mit Eiweiß angereicherten Pudding nicht sinnvoll.

"Das ist überhaupt nicht sinnvoll. Ich fände besser, man würde weniger Zucker zutun, nicht noch Eiweiß obendrauf. Woher kommt denn das Eiweiß und wie künstlich ist das Lebensmittel dann?"
Dagmar von Cramm, Ernährungswissenschaftlerin

Grundsätzlich sind pflanzliche Eiweiße gesünder als tierische: Bohnen, Kichererbsen, Nüsse zum Beispiel. Auch wer die Nahrung parallel zum Muskeltraining anpassen möchte, dem empfiehlt Dagmar van Cramm, die Proteine zu kombinieren und es mit dem Eiweiß nicht zu übertreiben.

Eine Mischung aus pflanzlichen und tierischen Proteinen sei am besten, sagt die Ernährungswissenschaftlerin. Die Mischung bestimmt die biologische Wertigkeit des Eiweißes in der Nahrung, also wie gut es in körpereigene Proteine umgesetzt werden kann.

"Die biologische Wertigkeit steigt, wenn man kombiniert. Kartoffel mit Ei hat eine höhere biologische Wertigkeit als ein Steak – als Fleisch oder Fisch."
Dagmar von Cramm, Ernährungswissenschaftlerin

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an Info@deutschlandfunknova.de

Shownotes
Ernährung
Protein-Produkte bringen es nicht
vom 11. März 2020
Moderator: 
Ralph Günther
Gesprächspartnerin: 
Teresa Nehm