Zu viel Fett, zu viel Zucker, wie viele Kalorien hat das Produkt? Eine Orientierung sollte der 2020 vom Bundeslandwirtschaftsministerium eingeführte Nutri-Score bringen. Dessen Algorithmus ändert sich wohl bald. Was das bedeutet.

Wer kennt sie nicht, die kleine ABCDE-Ampel, die uns beim Einkauf auf verschiedenen Lebensmittelverpackungen entgegen scheint: der Nutri-Score. 2020 wurde er von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) eingeführt.

Der Nutri-Score soll Verbraucher*innen den Nährwert eines Produkts anzeigen: Das Nährstoffprofil des Lebensmittels wird so einer Farbe zugeordnet. Produkte, die mit grün (A) kategorisiert sind, gelten zum Beispiel als gesund.

Aber nicht immer erscheint die Zuordnung einzelner Lebensmittel logisch. Beispielsweise werden Pommes Frites als A eingestuft, während Kürbiskerne als mittelgesund gekennzeichnet sind.

Nutri-Score: Vergleich nur innerhalb einzelner Produktgruppen

Grund für diese Bewertungen ist, dass sie ausschließlich innerhalb einzelner Produktgruppen erfolgen. Das bedeutet, dass zum Beispiel Pommes nicht mit Olivenöl verglichen werden. Stattdessen bekommen die "gesündesten" Pommes ein A – die schlechtesten erhalten dementsprechend ein D.

"Hinter der Bewertung steckt ein Algorithmus, den Wissenschaftler*innen entwickelt haben. Punkte werden vergeben oder abgezogen für Zucker, Salz, Kalorien und Fett kommen Punkte hinzu."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Allerdings geht es dabei nicht um die Bewertung aller Produkte in einer Gruppe, sondern um die Anforderungen an das Produkt. Es ist also nicht so, dass alle Schokoriegel bewertet werden, von denen der Beste dann ein A erhält.

Änderung in der Berechnung des Nutri-Scores kommt

Die Rechnung geht unter anderem so: Für Proteine, Ballaststoffe, Obst und Nüsse werden Punkte abgezogen. So kommt eine entsprechend hohe oder niedrige Bewertung zustande. Die negativen Punkte von Zucker können demnach durch Pluspunkte wie Ballaststoffe ausgeglichen werden.

Auf Verpackungen für Frühstücksflocken mit Zucker, kann beispielsweise eine grüne Nutri-Score-Kennzeichnung zu finden sein. Denn Frühstücksflocken haben viele Ballaststoffe, weil Vollkorn drin ist - das wird positiv bewertet. Zucker hingegen bedeutet einen Punkteabzug. Allerdings kann der unter anderem durch die Pluspunkte der Ballaststoffe weggerechnet werden.

Wichtig ist auch, wofür es Pluspunkte und Punkteabzug gibt: Nüsse werden beim Nutri-Score negativ eingestuft, da sie vergleichsweise viel Fett enthalten. Deswegen berücksichtigen die Hersteller den Nutri-Score bei der Entwicklung ihrer Produkte.

"Die Hersteller haben tatsächlich, auch mit Blick auf den Nutri-Score, die Rezepturen geändert, so dass sie besser dastehen. Das ist schließlich auch eine gute Werbung.”
Sabine Schütze, Ernährungsexpertin zu Nutri-Score im SWR

Daher soll die Berechnung des Nutri-Scores nun geändert werden, schreibt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in einer Mitteilung: Zucker- und Salzgehalt werden in Zukunft stärker in die Bewertung einfließen. Vollkornprodukte sollen besser eingeordnet werden. Und wenn Öle wenig gesättigte Fettsäuren haben, können sie in der Bewertung besser dastehen. Wann sich der Algorithmus ändert, wurde allerdings noch nicht angekündigt.

Kritik am Nutri-Score

Fachleute sehen den Nutri-Score kritisch. Ob seine eigentlichen Ziele erreicht werden – dass sich Bürger*innen gesünder ernähren – ist umstritten.

Laut den Ergebnissen einer Studie von 2018 kommt der Nutri-Score gut weg im Vergleich zu einem System vom Deutschen Lebensmittelverband. Dagegen kritisiert Kommunikationsdesigner und Lebensmittelblogger Hendrik Haase den Nutri-Score unter anderem, weil viele traditionelle Käsesorten nicht aus der roten oder gelben Ecke rauskommen – sie haben laut Berechnung zu viel Fett.