Im Sommer kommt es immer wieder zu Badeunfällen. Wenn wir mitbekommen, dass ein Mensch zu ertrinken droht, dann sollten wir zuallererst immer den Notruf wählen, bevor wir weitere Maßnahmen ergreifen, sagt der Rettungsschwimmer Carsten Rosenberg-Dörner.

Knapp 200 Badetote hat es dieses Jahr schon gegeben – und damit mehr, als es zu diesem Zeitpunkt im letzten Jahr. Ursachen für die tragischen Unglücke gibt es viele: unbeaufsichtigtes Schwimmen, Alkohol, Selbstüberschätzung, Krämpfe, schlechte Schwimm-Kenntnisse, aber auch gefährliche Strömungen und Strudel zum Beispiel. Und manchmal kommen auch die ums Leben, die helfen wollten.

Ertrinkende in Panik handeln nicht rational

Carsten Rosenberg-Dörner ist Rettungsschwimmer bei der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG) im Ostseebad Prerow. Er sagt, selbst ins Wasser zu gehen, berge immer eine erhebliche Gefahr für Helfende. Es sollte nach Möglichkeit vermieden werden und sei immer der letzte Schritt. Das Wichtigste sei, immer erst den Notruf 112 zu wählen.

"Grundsätzlich als Allererstes den Notruf 112 absetzen. Wenn ich das nicht tue, dann kommt halt keine weitere Hilfe."
Carsten Rosenberg-Dörner, Rettungsschwimmer bei der DLRG

Wenn wir den Notruf gewählt haben, dann gelte es in aller Ruhe die Fragen der Feuerwehrleitstelle zu beantworten:

  • Wo ist der Einsatzort?
  • Was ist passiert?
  • Wie viele sind betroffen?
  • Auf weitere Rückfragen warten

Damit sei sichergestellt, dass professionelle Hilfe – der Rettungswagen oder der Notarzt – unterwegs ist. In einem nächsten Schritt gelte es, die Situation genauer zu analysieren:

  • Bin ich ein guter Schwimmer?
  • Was für ein Gewässer habe ich? Denn es sei ein großer Unterschied, ob jemand im Rhein oder einem ruhigen Gewässer in Not gerät.
  • Wie weit ist der-oder diejenige vom Ufer entfernt? Muss ich 20 Meter oder eventuell hundert Meter rausschwimmen und hundert Meter mit der Person wieder zurück?
  • Habe ich ein Auftriebsmittel, also einen Gegenstand, der mich über Wasser hält, als Hilfsmittel?

Im Notfall helfen, aber möglichst Abstand halten

Ist die Person in Not panisch und noch bei Bewusstsein, dann sei ein Auftriebsmittel zur Unterstützung besonders wichtig. Ertrinkende, die in Panik geraten, würden häufig nicht mehr rational handeln und können für Rettende, die keine Befreiungsgriffe können, schnell zur Gefahr werden, sagt Carsten Rosenberg-Dörner. Auftriebsmittel können zum Beispiel sein: ein Stand-up-Paddle-Board, Rettungsringe, eine Luftmatratze, aber auch eine Poolnudel.

Rettende sollten nach Möglichkeit unbedingt Abstand halten und versuchen, das Hilfsmittel der in Not geratenen Person hinüberzureichen, sodass die sich daran festklammern kann, sagt der Rettungsschwimmer.

Ist die Person in Not bewusstlos, dann spiele der Faktor Zeit eine noch größere Rolle. Der Mensch müsse so schnell wie möglich ans Ufer gebracht werden, denn nur hier könne eine Herz-Lungen-Wiederbelebung vorgenommen, beziehungsweise die Atemwege gesichert werden, sagt Carsten Rosenberg-Dörner.